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    • Schweini : Hey Zoze oder Becki, schreibt mich mal an, hab ne Menge Videos gemacht, die sich aber nicht einfügen lassen. Und die Artikelgliederun g funktioniert auch nicht wie sie soll!
    • Bexx : schreib weiter so schweini, liest sich richtig gut! viel spass noch auf der insel! und schau dir unbedingt west ham united an!!!
    • Schweini : Hey Leute, Artikel wird noch etwas verfeinert, gibt da Probleme mit den Videos. Bericht vom Tottenhamspiel folgt so schnell wie möglich.
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    Schweini does London Part I

    Von Schweini | 5.März 2009

    So, Sportsfreunde. Hier meine ersten Erlebnisberichte von der Insel.

    Charlton Athletic 1–2 Doncaster Rovers

    Datum: 03.03.2009   Stadion: The Valley   Zuschauer: 20815

    Es ist mein dritter Tag auf der Insel und der erste für mein vorher sauber vorbereitetes Fußballprogramm in London. Obwohl ich eigentlich aus Gründen der Faulheit zuerst der Partie des Drittligisten Leyton Orient, dessen Stadion circa 10 Minuten Fußweg von mir entfernt liegt, beiwohnen wollte, entschied ich mich dennoch bewusst dagegen, da ich von Leyton Orient zuvor genau so viel gehört habe wie über die Regeln des hier sehr beliebten Cricket. Zum Ausweichen standen die Partien von den Queens Park Rangers und Charlton Athletic an. Was auch immer mich dazu bewogen hat, ich entschied mich für Charlton und begann eine vom Stadtzentrum 50-minütige Reise quer durch London. An der Station Charlton angekommen, folgte ich dem Tross der Anhänger durch verwinkelte Straßen bis zum Stadion „The Valley“, das von dutzenden Wohnhäusern eingerahmt wie ein Fremdkörper aus deren Mitte ragt. So habe ich mir Fußball in England immer vorgestellt. Schade, dass man hierzulande auf dieses Ambiente zugunsten von Mehrzweckarenen am Stadtrand verzichtet, denn dieses Stadionflair allein von außen kann die katastrophale Parkplatzsituation vor Ort und sonstige damit einhergehende Probleme wohl locker aufwiegen.
    Als erstes mache ich mich also auf den Weg zum Ticketschalter, noch 45 Minuten bis zum Anstoß. Obwohl es bekanntlich recht schwer ist in London Karten für Fußballspiele zu bekommen, pokere ich etwas. Wer will schon auf einem Dienstagabend den Letzten der zweiten englischen Liga sehen? Wie ich dem Gewusel vor dem Stadion entnehmen kann, erstaunlich viele. Nichtsdestotrotz stehe ich an der Tageskasse und bin auch relativ schnell dran. Ich erkläre der eher minder attraktiven Frau am Schalter, dass ich gerne das Spiel sehen würde, am liebsten in der Kurve der Homesupporters, optinal auch auf der Haupttribüne, dem Weststand. Sofort erkennt sie an, dass ich nicht aus der Nähe bin (der Südostlondoner Dialekt ist zweifelsohne unverkennbar und damit auch alle, die ihn nicht beherrschen). Als ich auf ihre Nachfrage antworte, dass ich aus Deutschland komme um mir in London ein paar Spiele anzuschauen, ist sie auf einmal ganz aufgeregt und bietet mir an, da ich ja so eine weite Reise hinter mir habe und ausgerechnet Charlton als erste Partie ausgesucht habe, in der Nähe der Mittellinie auf der Haupttribüne für £10 zu sitzen. Als ich bemerke, dass die Preise dort bei circa £20 beginnen, willige ich sofort ein. Dieser Preis ist für englische Verhältnisse nahezu unschlagbar, was ich aus Erfahrungen mit dem Erwerb von Karten für Spiele von Tottenham und Arsenal durchaus sagen kann.

    Nun ging’s schnellstmöglich Richtung Eingang und da wartete schon die nächste Überraschung: an großen Drehkreuzen muss ich an einem Kartenschalter meine Karte abreißen lassen und danach bin ich auch schon ohne Personendurchsuchung im Stadion, eigentlich aber unter dem Weststand. Gegenüber den Aufgängen zu den Sitzplätzen sind im Inneren eine Vielzahl einfach aneinander gesetzte Bars zu finden, die gesamte Länge des Weststand ist im Inneren also eine einzige Theke, was die Wartezeiten natürlich deutlich angenehm gestaltet. Die Bierpreise (£3 für ein Pint) sind durchaus human, auch wenn das eher dem Wechselkurs geschuldet ist. Das lässt englisches Bier trotzdem irgendwie nicht besser schmecken. Nachdem ich es mir dann mehr oder weniger in der Vorhalle zur Tribüne herunter gequält habe (auf den Rängen dürfen keine alkoholischen Getränke getrunken werden, Rauchen geht sowieso nirgendswo) geht es den Aufgang hinauf zu meinem Platz. Auch hier ein weiterer Pluspunkt, keine nervigen Ordner, die zigmal die Eintrittskarte sehen wollen um sicherzugehen, dass auch jeder den richtigen Eingang benutzt hat. Das Stadion an sich ist sehr zweckmäßig. Eine kleine Tribüne für Auswärts- und neutrale Fans (Jimmy Seed Stand), eine geschlossene Kurve gegenüber für die Homesupporters (Northstand), die Haupttribüne (Weststand) und eine Gegengerade. Es wirkt etwas enger und gedrungener, hat aber durchaus etwas für sich. Aus Doncaster (immerhin knapp 300km entfernt) haben sich circa 300 bis 400 Gäste eingefunden. Nicht schlecht für ein Dienstagabendspiel zwischen dem 24. und 15. der englischen zweiten Liga. Noch erstaunlicher allerdings der Fakt, dass den schätzungsweise 350 teils stark alkoholisierten und damit gut motivierten Jungs aus Doncaster am Anfang 12(!) Ordner zugeteilt sind, die mit im Block stehen. Deutsche Stadionverhältnisse erscheinen mir auf einmal paradox.

    Nach einer mit pathetischer Musik unterlegten Videosequenz mit Szenen aus den 1940ern bis heute, die dank clever postierter Videowand nur West- und Northstand sehen können, laufen auch schon die Mannschaften ein und es geht los. Vorher wird angekündigt, dass Danny Butterfield, ein Jugendspieler, zum ersten Mal im Kader steht. Das sorgt für gute Stimmung. Auch die Durchsage des Namens des Spielmachers Jonjo Shelvey sorgt für einen deutlich höheren Lärmpegel. Nach dem Gruppenfoto mit den bescheuert aussehenden Maskottchen geht es auch schon los. Bereits nach drei Minuten wird mir klar, warum Charlton am Tabellenende hängt und wahrscheinlich trotz bis 2007 anhaltender Premier-League-Angehörigkeit dieses Jahr den Gang in die Drittklassigkeit antreten wird. Vom Fußballspiel Charltons zu reden wäre deutlich übertrieben. Hektische Aktionen im Mittelfeld wechseln mit katastrophalen Schnitzern in der Abwehr, die nur dank des gutaufgelegten und dem wie es scheint einzig gelernten Verteidiger des Teams Mark Hundson ungestraft bleiben. Bereits nach fünf Minuten stelle ich mir die Frage, wer wohl gefährlicher sei: Charltons Stürmer oder die Eckfahne, nach 20 Minuten und 8 kläglich vergebenen Chancen Charltons gewinnt die Eckfahne, nicht unverdient. Auch Doncaster scheint nicht wirklich Lust zu haben mitzuspielen, doch zumindest sieht das, was sie spielen, besser aus. Von dem hochgelobten englischen Tempofußball scheinen beide Mannschaften nie etwas gehört zu haben. Starker Regen setzt ein, der Wind dreht, die Stimmung auf dem Weststand kippt deutlich, ist es doch Charltons quasi letzte Chance auf den Klassenerhalt. Durch Zufall (Absicht möchte ich nicht unterstellen) verirrt sich in der 30. Minute ein Kopfball Charltons an die Latte. Nun setzt auch endlich der Northstand mit Gesang ein, erstes Gänsehautgefühl durchfährt. Stadionatmosphäre in Reinkultur. Die Stimmung steigt. Doncaster wirbelt die gegnerische Abwehr energischer auf, die eigenen Fans auf dem Jimmy Seed Stand singen schon seit Anpfiff unbeirrt und können stimmungstechnisch die Punkte für sich verbuchen. In der 35. wird ein Doncaster-Spieler rüde von der Seite im Lauf weggegrätscht. Was in Deutschland Dunkelrot zur Folge hätte, wird hier mit einer Ermahnung und einem Shakehands geregelt, ohne Gelaber, ohne Schauspielerei. Ich bin beeindruckt und wie ich überlege wie es Spielern wie Diego wohl unter solchen Umständen möglich wäre Fußball zu spielen, gibt es die erste gelbe Karte des Spiels. Bezeichnenderweise für Ballwegschlagens. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit eine weitere für eine klare Tätlichkeit. Ansonsten bietet das Spiel ähnlich viel wie der nicht aufhörende Dauerregen. Zu allem Überfluss stelle ich fest, dass meine Kamera absolut unbrauchbar ist für meine Mission. Ich muss unbedingt eine bessere auftreiben bis richtige Spiele auf mich warten. Einwürfe von meinen Sitznachbarn wie „Pass the ball, you fuckin‘ scumbag!“ halten meine Stimmung erstaunlicherweise durchaus passabel. Dann der Halbzeitpfiff. Mein Hintermann legt seine Hand auf meine Schultern und quittiert diese Halbzeit nur mit einem einfachen „Rubbish!“. Recht hat er.

    Nach einem Halbzeitkaffee (Bier ist wie bereits erwähnt bestenfalls dafür geeignet diese Halbzeit schnellstmöglich zu vergessen) stelle ich höhere Erwartungen und werde zumindest von Charlton dahingegen bestätigt, dass es falsch war welche zu haben. Sinnloses Rumgebolze wechselt mit einfallslosen Steilpässen für unmögliche Laufwege. Lustig hingegen sind die Laufduelle in denen sich beide Charlton-Stürmer mehrmals bei einer Distanz von etwa 5m bis zur Grundlinie den Ball 7m vorlegen. Ich hoffe, dass Doncaster diesem Elend ein Ende setzt und tatsächlich: der erste schön gespielte Angriff, Charltons Abwehr wieder einmal deplatziert, 0:1. Der Auswärtsmob hat seine pure Freude dran. Auf dem Northstand Totenstille und auch meine Sitznachbarn bedienen sich allen Formen englischer Flüche. Der absolute Tiefpunkt ist erreicht als Charltons Verteidiger Kelly Younga in der 70. Minute einen einfachen Ball an der Mittellinie sinnlos auf unser Stadiondach ballert. Die ersten gehen. Als die Fans von Doncaster ihre Party schon auf dem Siederpunkt getrieben zu haben scheinen, passiert das Unfassbare: durch einen Schuss aus der zweiten Reihe nach einer Ecke gleicht Charlton aus. Die Stimmung kippt und ist auf einmal richtig, richtig gut, wenn man bedenkt, dass englischer Support nicht gelenkt ist und Charltons Northstand stimmungstechnisch bis jetzt nichts weltbewegendes gezeigt hat. Torschütze Nicky Bailey wird mit Gesang „There’s only one Nicky Bailey“ bedacht, dessen Melodie der 2002 aufkommenden Hymne „Ein Rudi Völler“ entspricht. Furchtbar. Ich bin zufrieden als Doncaster mit lautem „Go ahead“-Rufen dem ein Ende bereitet. Charltons Freude währt nicht lange. Nur drei Minuten später fällt Younga im eigenen Strafraum einen gegnerischen Spieler in Dorftrottelmanier, das war’s nun endgültig mit der Stimmung. Der Elfmeter sitzt, der Jimmy Seed Stand rastet aus. Währenddessen machen sich viele von meiner Tribüne mit erhobenem Mittelfinger (der sicher eher der eigenen Mannschaft als Doncaster galt) auf dem Weg nach Hause. Charlton gibt noch mal alles, d.h. sinnlose lange Bälle während der letzten 10 Minuten, die sogar eine echte Torchance zur Folge haben. Der bereits geschlagene Torwart musste sich dennoch keine große Mühe geben, da es Charltons eingewechselter Stürmer Sam schaffte einen eigenen Spieler auf der Torlinie anzuschießen. Damit ist diese Partie auch endlich vorbei. Das Stadion erlebte nun den Höhepunkt seines Lautstärkepegels, mit langem „Booooooooo“ auf der einen und grenzenloser Freunde auf der anderen Seite. Auf dem Weg zurück zur Bahn mitten durch die Reihenhaussiedlung Charlton, treffe ich die ersten beiden Polizisten. Sie stehen am Gleis und erzählen jedem, dass der Zug nach London Bridge auf dem anderen Gleis abfährt. Und das ohne gleich rotzig zu werden wie bei uns durchaus üblich. Ich bin begeistert, steige ein um anderthalb Stunden „nach Hause“ zu fahren und hoffe, dass meine nächste Partie (Tottenham-M’brough) fußball- wie auch stimmungstechnisch mehr zu bieten hat als an diesem kalten und nassen Dienstagabend.

    Entscheidender Elfmeter

    Topics: Hopping |

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