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	<title>Football Patriots</title>
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	<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 10:13:58 +0000</pubDate>
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		<title>Part VII &#8220;I&#8217;m forever blowing bubbles&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Mar 2009 00:14:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schweini</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Hopping]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>West Ham United   0–0   West Bromwich Albion</strong></p>
<p>Datum: 16.03.2009   Stadion: The Boleyn Ground   Zuschauer: 30802   <a href="null"><img class="alignright" title="West Ham" src="http://www.whufc.com/javaImages/e2/ac/0,,12562~3517666,00.jpg" alt="" width="277" height="221" /></a></p>
<p>Man sagt, dass, will man eine Stadt von Grund auf kennen lernen, bei seinem schlimmsten Viertel anfangen soll. Was Hamburg sein Harburg, Köln sein Mühlheim oder Berlin sein Neukölln ist, dass ist für London das Viertel New Ham, oder besser, sein westlicher Teil davon. Wer hier wohnt ist meist ganz unten, der Verlierer des Londoner Systems, dass nur aus Banken und Versicherungen zu bestehen scheint. Die Ausländerquote im Viertel ist die höchste ganz Englands. Die Kriminalitätsrate ist auch nicht ohne. Im nördlichen Teil New Hams wird ringsum den Bahnhof Stratford gerade das olympische Gelände mit seinen Spielstätten hochgezogen, keine 10 U-Bahnminuten vom Stadion. Inwiefern West Hams Einwohner von diesem Spektakel wohl profitieren kann ich nur in drei Worten mutmaßen: wahrscheinlich gar nicht.<br />
Nichtsdestotrotz freue ich mich auf die Partie. Mit der U-Bahn sind es vom Stadtzentrum etwa 20 Minuten bis zur Haltestelle Upton Park. Dieser Name führte und führt bisweilen immer noch gerne in nichtenglischen Medien dazu das Stadion West Hams als Upton Park zu bezeichnen. Fälschlicherweise muss man hier natürlich anmerken. Rund um diese Station bietet sich ein eher ungewohntes Bild (für den ein oder anderen zumindest). <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci01681.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-171" title="Upton Park" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci01681-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0167.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-172" title="Boleyn Ground" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0167-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Ein riesiger Wochenmarkt befindet sich in unmittelbarer Nähe, man sieht auffällig viele Burkas und Kopftücher, die Sprachen sind zumeist nicht identifierbar (vorausgesetzt man kann zumindest Englisch erkennen). Der Boleyn Ground an sich ist in nicht einmal 5 Minuten zu Fuß zu erreichen über die mehr oder minder bekannte Green Street. Bei manch einem mag es jetzt wohl klingeln. Die Green Street heute (ohne sie vorher gekannt zu haben), versprüht keine besondere Aura, ganz im Gegenteil. Die Green Street besteht aus unzähligen Kebab- und Orient-Imbissen. Einer Menge Off-Licence-Shops und einer noch größeren Anzahl leerstehender Häuser. Die Immobilienkrise hat hier besonders hart eingeschlagen, an jedem zweiten Wohnhaus, das meinen Weg zum Stadion säumt, prangt ein „To Let“-Schild. West Ham ist der Verlierer des Systems, gerade jetzt besonders. Zwischen den leerstehenden Häusern und den wirr umher rennenden Menschen aus was-weiß-ich-wie-vielen verschiedenen Nation steht es: The Boleyn Ground. Von außen eine echte Augenweide. Sehr modern, die beiden mittelalterlichen Wehrtürmen nachempfundenen Stadionpforten wirken dennoch nicht kitschig. Eines der schöneren Stadien der Stadt. An die Karte bin ich über einen kleinen Umweg gekommen. Als ich bei meinem ersten Versuch etwas über eine Woche vorher an der Stadionkasse abgewimmelt wurde, versuchte ich es wenige Tage später erneut. Ich habe erzählt, dass ich einer der größten Fans wäre und extra wegen diesem Spiel (ja klar, ich komme wegen dem Tabellenletzten!) nach London gekommen wäre. Ich bekomme umgehend eine Karte, für £35 in der billigsten Kategorie ist die aber auch preislich nicht ohne. Bevor ich das Stadion betrete besorge ich mir noch ein Stadionheft im stadionintegrierten Fanshop. Der ganze Fanshop erinnert stark an einen Devotionalienladen für Bobby Moore. Bobby Moore schwebt wie ein großer, schwerer Schatten über diesem Verein. Ein Weltklasseverteidiger, einer der Helden von 1966, einer der wenigen Helden West Hams. Im Fanshop bekommt man so gut wie alles von Bobby Moore. Und von Paolo di Canio, ja den bei Lazio für die ein oder andere berühmt berüchtigte Geste bekanntgewordenen Mittelfeldspieler, der selbst auch für West Ham kickte. 2008 wollten sie ihn hier als Trainer; Verein und Fans. Nur der Rest der Öffentlichkeit war schockiert und so nahm man sich dann Gianfranco Zola, einen Ex-Chelseakicker.<br />
Bei meinem Weg ins Stadion stelle ich fest, dass ich trotz sechs vorangegangener Partien noch kein Unentschieden gesehen habe. Ein überaus guter Schnitt wie ich finde. Auch war noch keine Nullnummer dabei. Ich bin stolz drauf. Zwei Stunden später verfluche ich mich dafür. Manchmal soll man halt einfach nicht denken.<br />
<a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/cimg2842.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-174" title="Vor dem Anstoß" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/cimg2842-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Das Stadion von innen ist sehr steil, ich habe eine Karte für den Centenary Stand. Dieser befindet sich gegenüber des Home Supporter Blocks, des, na wer hat es bereits erraten?, Bobby Moore Stands. An der Green Street gelegen liegt der Dr. Martens Stand, dem gegenüber der East Stand, der kleinste von allen. Bis es los geht, blättere ich im Stadionheft. Es kostet £3,50, das ist teurer als die sonst komischerweise in allen ersten drei Ligen üblichen £3,00. Der Aufmacher ist diesmal ein junger Deutscher namens Savio, der hier in West Ham sein Geld verdient. Man hält große Stücke auf ihn, zumindest laut Stadionheft. Das ist ja immer positiv und das schweigt sich auch gänzlich über die Kritik an Trainer Zola aus, dem die Boulevard-Zeitungen hier ein Steinzeitsystem vorwerfen. Unattraktiv und dem Kader nicht gerecht. Platz 7 klingt in der englischen Liga nicht schlecht, zumindest in meinen Ohren. Das sieht halt jeder etwas anders. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/cimg2878.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-173" title="Spielfeld" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/cimg2878-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Das Stadion füllt sich, ausverkauft ist es nicht. Aus West Bromwich sind etwa 150-200 Fans angereist. Für die ist der Gang in die Championship (Liga 2) ja auch fast beschlossene Sache. Das Spielergebnis damit ja so gut wie auch, denke ich. Einmarsch der Spieler, aus den Lautsprechern wird nur eine Melodie angestimmt und dann erschallt die Hymne des West Ham United durchs Rund, gesungen von Tausenden: „I’m forever blowing bubbles“. Ich finde zwar, dass der Text einem Verein, der mit der ICF einst die gefährlichste Firma des Landes gestellt hat, nicht gerecht wird, bin aber dennoch von der Atmosphäre begeistert. Da mein Spiel davor Millwall war, bin ich nun natürlich besonders auf West Ham gespannt. Der Verein hat stellenweise gutes Potenzial, es ist aber nicht besonders im Vergleich zu Tottenham oder Millwall. Die Stimmung ist auch nicht so giftig. Manchmal suggerieren einem Filme ziemlich viel, im Falle West Hams sehr viel. Von der legendären InterCity Firm und deren Nachfolgern sieht man nichts weiter. Vom Spiel auch nicht, das ist vollends beschissen. Schon nach 10 Minuten frustrierend langweilig. West Hams Anhänger bekommen von mir dennoch eine Menge Hochachtung, da ihr vorgebrachtes Liedgut das mit Abstand abwechslungsreichste in den von mir besuchten Londoner Stadien ist. In der ersten Halbzeit wiederholt sich nur „That’s why you’re going down!“ in Richtung WBA, ansonsten vernehme ich im 3-Minuten-Takt unterschiedliche Gesänge. Ein paar „ICF“-Zwischenrufe lassen mich aufhorchen, werden aber nur von 16jährigen Kindern geschrien. Ein paar  Gesänge und Textzeilen später höre ich „Tottenham and Millwall are history“. Zwischendurch schwört man den Hammers ewige Treue bis in den Tod. Warum ich mich so genau um Fangesänge und mögliche Ex-ICF-Mitglieder in meiner Kurve beschäftigen kann, ist schnell erklärt: das Spiel ist einfach mal unter aller Kanone. Savio gefällt mir wirklich gut, wahrscheinlich nur, weil er der einzige ist, der sich bewegt. Ein Montagabendspiel, das man auch getrost gegen Wehen Wiesbaden gegen FSV Frankfurt eintauschen könnte. Absolt uninteressant. In der 29. verletzt sich West Hams Verteidiger Upson, er wird vom Platz getragen und damit ist das spannendste auf dem Rasen schon erzählt.  Savio hat etwas später noch mal so etwas wie eine Chance, auf jeden Fall muss WBAs Tormann eingreifen. Ansonsten grottenschlecht. Halbzeit. Kaffee. Zurück auf die Tribüne. Hoffnung auf Besserung. Ernüchterung. Es passiert einfach nichts. Nur auf den Rängen ist es stimmungsvoll, „I’m forever blowing bubbles“ ertönt noch mal, so langsam gefällt es mir sogar. Was mir auf dem Platz auffällt ist, dass es kämpferischer zugeht. Ich gewinne dem Spiel doch noch etwas ab. Es wird gegrätscht und hart reingegangen. Wie ich schon oft bemerkt habe, wird auch hier nicht rum geheult. Bei härterem Einsteigen wird die gelbe Karte abgeholt, der Gefoulte steht zu diesem Zeitpunkt schon und versucht sich nicht noch bis zur nächsten Kamera zu wälzen. Ich bin dafür, dass der DFB eine Kampagne ins Leben ruft, die alle Weichpüppis aus der Bundesliga schmeißt. Und Kommentatoren die bei jeder Kleinigkeit gelbe Karten fordern und von in Kauf genommenen Verletzungen sprechen. Also ich empfinde Zweikämpfe auf der Insel deutlich intensiver, nur scheinen die hier schmerzresistenter zu sein. Ich verliebe mich in diese Art des Spiels. Das ist so auch quasi der letzte Strohhalm an den ich mich klammern kann. Zwei Halbzeiten mit einem Torschuss insgesamt sind echt brutal anzusehen. Da freut man sich doch über jede Grätsche von hinten in die Beine. In der 68. Minute wird Savio ausgewechselt. Ich verstehe die Kritik an Zola. Der einzige Aktivposten im Spiel zweier scheintoter Mannschaften wird ausgewechselt für Stanislas (???), einem, Stadionheft sei Dank, 19jährigen Mittelfeldspieler. Es ist sein erster Einsatz in der Premier League. Er macht es nicht besser, zu seiner Verteidigung aber auch nicht schlechter. Das Niveau ist aber auch schon arg unten. Die Absteiger-Rufe Richtung Gäste verstummen. Ein Unentschieden beim UEFA-Cup-Aspiranten kann kaum der Grund eines Abstieges sein. Dann ist es aus. Und das Stadion schlagartig leer. Gepfiffen wird nicht, auf Bromwicher Seite wird aber gut gejubelt, so gut wie man mit 150 jubeln kann. Der Klassenerhalt scheint auf einmal nicht mehr utopisch. Das Nichterreichen des UEFA-Cups durch West Ham auf einmal auch nicht mehr . Erkenntnisse auf beiden Seiten. Nur auf meiner nicht. £35 für so ein Spiel? Ich hätte dafür etwas mehr erwartet. Aber auch da tröstet mich die gute alte West Ham Hymne „I’m forever blowing bubbles“ hinweg, heißt es doch so treffend: „Then like my dreams they fade and die.“ In diesem Sinne.</p>
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		<title>Part VI &#8220;We Fear No Foe!&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Mar 2009 04:13:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schweini</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Millwall 0-1 Leicester City

Datum: 14.03.2009   Stadion: The Den   Zuschauer: 13264   ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Millwall 0-1 Leicester City</strong></p>
<p>Datum: 14.03.2009   Stadion: The Den   Zuschauer: 13264   <a href="null"><img class="alignright" title="Millwall" src="http://wallscometumblingdown.files.wordpress.com/2008/03/millwall_desktop.gif" alt="" width="310" height="310" /></a></p>
<p>Es ist wieder einmal Samstag. Ich habe die Wahl zwischen Wimbledon und Millwall. Wimbledon, als neugegründeter Verein (von Fans wohlgemerkt, der „offizielle“ heißt jetzt ja MK Dons) ist durchaus interessant, entscheide ich mich dennoch für Millwall. Eine Wahl, die ich nicht bereuen werde. Dieses Mal bin ich nicht allein, ich habe noch einen Nürnberger und einen Regensburger dabei, der den Ultras Regensburg nahe steht. Dessen Geschichten sind aber eher unter den Teppich zu kehren. Hauptsache Gesellschaft. Wir treffen uns am U-Bahnhof London Bridge. Von da aus ist es nur noch eine Station mit dem National Railway zur Stadion South Bermondsey. Da sind wir nun, in den berühmten Londoner Docklands. Millwall zog seine einstige Klientel aus den vorherrschenden Docks entlang der Themse und den dort arbeitenden Menschen, die sich schließlich in den legendären Firmen „The Treatment“ und „The Bushwhackers“ organisierten. Die Häfen und Piere sind verschwunden. An ihre Stelle wuchsen Banken und Versicherungen, von denen kaum einer aus Bermondsey profitierte. Millwall ist geblieben und mit ihm seine Zuschauer, die im Zuge dessen ihre Arbeit verloren. Wir verlassen den Bahnhof und folgen dem Tross und eins fällt sofort auf. So viele Bullen wie alleine zwei Stunden vor Spielbeginn am Bahnhof stehen habe ich in allen meinen fünf vorher gesehenen Partien zusammen noch nicht erlebt. London kennt seine Problemkinder, und im Süden, wenn nicht gar generell, ist Millwall sein größtes. Wir ziehen geschlossen zum Den, gesäumt von Bullen. Und mitten in Bermondsey steht es, trotzig, klobig, wie man es erwartet: The Den. Was für ein Name, was für ein Stadion. Vier Tribünen, an den Seiten offen, dennoch eindrucksvoll. Ich trinke mit den Jungs ein Bier, währenddessen besorgen wir uns die Karten. £20, für ein Drittligaspiel enorm heftig, es ist die billigste Karte. Für den Cold Blow Lane End Stand, und diese £20 werden sich lohnen. Auch wenn ich es nicht recht wahr haben will, verfolge ich mein erstes Spitzenspiel: Millwall (3.) gegen Leicester (1.), wohl gemerkt in der 3. Liga. Der Mannschaftsbus von Leister kommt an. Wütend strömen Millwall-Anhänger von allen Seiten um gegen den Bus zu treten, zu schlagen, zu was auch immer. Warum sie das tun, ist leicht erklärt: Millwall mag keinen, genauso wie keiner Millwall mag. So einfach ist die Regel und diese Regel rechtfertigt alles, was in und um diesen Verein herum passiert. Ich probiere Bier aufzutreiben, aber außerhalb des Den ist kein alkoholisches Getränk zu bekommen. Warum das so sein könnte, überlasse ich der Phantasie eines jeden einzelnen. Wir entschließen uns nach innen zu begeben. Auch hier befindet sich das ganze Leben unter den Tribünen, schlicht und einfach. Einen Bierstand gibt es auch (£3,20 für ein 0,5l Carlsberg). Wir sind glücklich. In der Zwischenzeit fällt mir auf, dass in Millwall die Haare eher licht getragen werden, was aber nicht dem Alter geschuldet ist. Der Altersschnitt ist recht jung, ich schätze um die Anfang 20, viele Kinder rennen herum, die älteren blicken alles andere als freudig drein und alles was über dreißig ist, schaut aus, als ob es gerade von einer Kneipenschlägerei gekommen ist. Über meinem Aufgang klebt trotzig der Millwall-Löwe mit der Unterschrift „No one likes us, we don’t care!“. Stark. Daneben ein ebenso großer Aufkleber des Vereins: „Millwall against Racism!“. Haha. Aber für Selbstironie bin ich immer empfänglich. Und vor allem dankbar. Wir betreten das Stadion. Für die £20 bekommen wir einen Luxus, der in England gänzlich abhanden gekommen zu sein scheint: freie Platzwahl. Nicht schlecht und so wohl auch nur in Millwall üblich. Die Spieler wärmen sich auf. Was sofort ins Auge sticht, ist die Rückseite der Millwall-Trikots, neben der obligatorischen Rückennummer und dem Namen ist unten vermerkt: „We fear no foe“. Und wenn ich mich so umschaue, brauchen das die Jungs beileibe nicht. Ich bin begeistert aufgrund der Einstellung, die so offensichtlich nach außen getragen wird. Der Ausrüster Millwalls ist Bukta, nie gehört. Ist auch nicht weiter verwunderlich, denn kein namhafter Ausrüster würde sich freiwillig Millwalls Image anheften lassen wollen. Es ist kurz vor drei, das Stadion ist gut gefüllt <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0250.avi">(The Den - Innenansicht)</a>. Es ertönt „London Calling“. Millwalls Anhänger ergreifen das Wort und tönen lautstark gegen die etwa 1000 Leicester-Fans im North Stand „Millwall is calling!“. Das ist unmissverständlich und bezieht sich auf die Zeit nach den regulären 90 Minuten. Sich innerlich sicher, entgegnet Leicester nur ein verächtliches „Who are you?“. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0247.jpg"><img class="size-medium wp-image-154 alignleft" title="The Den" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0247-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Die Auswärtsfans dürfen nur auf dem oberen Rang sitzen, zu oft wurde hier schon der Platz gestürmt und mit ihm der North Stand. Dennoch bewundere ich den Mut der Mitgereisten, würde ich doch nicht bereitwillig ein großes Maul riskieren, würde Millwall, ausgerechnet Millwall, zum Tanz nach dem Spiel bitten. Aber bitte. Die Mannschaften laufen ein, es ist eine wahnsinnig gute Stimmung auf meiner wie auf Gästeseite. Anstoß und es beginnt: der Millwall-Schlachtruf. Während andere Teams etwas Kreativität beweisen, reicht bei Millwall ein einfaches langgezogenes „Eeeeeeeeeeeey!“ <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0254.avi">(Ey-Gesänge)</a>. An sich würde jeder sagen, dass das schwach wäre. Doch wer einmal im The Den steht und 10000 gut motivierte Jungs ein „Eeeeeeeeeeeey!“ richtig Gästefans schreien hört und dessen absolut bedrohlich Kulisse wahrnimmt, wird anders denken. Ich für meinen Teil staune Bauklötze. Es ist unbeschreiblich. Fast beängstigend. Es ist schlicht und ergreifend Millwall. Bevor ich mich gänzlich der Atmosphäre widme, sei soviel gesagt: beide Teams spielen weit über unserem Drittliganiveau, vor allem Leicester steht hinten sehr kompakt sicher und clever. Und jetzt genug vom Spiel, denn das scheint nicht der Grund zu sein warum sich über 10000 „Lions“ hierher verirrt zu haben scheinen. Wegen der winzigsten Kleinigkeit, und sei es eine strittige Einwurfentscheidung an der Mittellinie, ist der Cold Blow Lane End auf 180. Wer wirklich einmal lernen möchte, wie man in Englisch in allen Variationen flucht, dem empfehle ich ein Besuch im Den. Unbeschreiblich. Jedes zweite Wort ist fuck(ing). Mindestens. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0249.jpg"><img class="size-medium wp-image-155 alignright" title="The Den" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0249-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Die restlichen in etwa: cunt, asshole, motherfucker, scum, wanker, bitch, pussy usw., usw. Das man daraus durchaus beliebig viele Sätze bilden kann, wird mir just an diesem Samstagnachmittag bewusst <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0261.avi">(Eine ruhigere Minute im Cold Blow Lane End)</a>. Erwähnenswert auf Millwaller Seite ist der amerikanische Verteidiger mit der Rückennummer 6: Zak Whitbread. Ein weißer, schneeblonder Verteidiger, fast ein Albino. Wäre irgendein Schwarzer im Stadion, ich denke, er würde es ebenso lustig finden wie ich. Das Spiel läuft gemächlich vor sich hin und endlich kommt sie, die 20. Minute, wie ich finde relativ spät, denn das ist sie, warum ich eigentlich hier bin!<br />
„We are Millwall, we are Millwall, Super Millwall from the Den.<br />
We are Millwall, Super Millwall, we are Millwall from the Den.<br />
No one likes us, no one likes, no one likes us, we don’t care!<br />
We are Millwall, Super Millwall, we are Millwall from the Den!”<br />
Einfach nur gigantisch. Das ist Gänsehaut, wie ich die bis dato noch nicht hatte. Das lange „Eeeeeeeeeeeeeeeeeeey“ tut sein übriges. Die Stimmung im Stadion und die mich umgebenden Leute flößen mir einen Heidenrespekt ein! Zwei Minuten später trifft Leicesters Howard mittels Fernschuss zum 0:1. Alle erheben sich, Leicester zum Jubeln, Millwall schleudert wütend alle Fäuste Richtung Spielfeld. Die Sache eskaliert allmählich. Nach mehr oder minder falschen Entscheidungen des Linienrichters was Ecken oder Abseits angeht (im Endeffekt alles ergebnislos) rastet das Stadion aus. Mein Vordermann schreit: „I wanna his fucking head! Who will bring it for me?“. Mehr verwundert mich allerdings, dass  ich mehr als fünfmal höre “I do!“, auch von nicht mal 10jährigen Kindern. Willkommen in Millwall. Die Stimmung hitzt sich auf, wegen kleinster Lappalien ist der Block auf Hochtouren, sowas habe ich noch nicht erlebt. The Den ist definitiv der Schmelztiegel des Hasses <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0266.avi">(Erhitzte Gemüter)</a>. Das Spiel ist mehr als nebensächlich, das Gros scheint nur hier zu sein um zu demonstrieren, was sie sind: Millwall! Es ist Halbzeit, ich hole mir mit meinen Begleitern ein Runde Bier. Auf den Fernsehern im Innenraum läuft gerade die Partie ManU-Liverpool, das 1:4 fällt in der Nachspielzeit, die meisten beindruckt das nicht. Es kommt mir so vor, als ob sportlicher Erfolg hier gänzlich untergeordnet ist. Die Jungs könnten in der Stadtliga A spielen und man würde die gleichen Gesichter antreffen. Im Unterrang ertönt das „Eeeeeeeeeeey“ und im Anschluss „No one likes us“. Es schallt, es ist einfach der Hammer! Für jeden, der es nicht erlebt hat, unbeschreiblich, selbst für mich selber kaum in Worte zu fassen! Die zweite Halbzeit beginnt, ab auf den Cold Blow Lane End und die zweite Halbzeit schauen. Das spielerische fasse ich wieder schnell zusammen: Millwall drückt, Leicester steht echt so sicher wie ich es lange von keinem Team mehr gesehen habe und schaukelt deshalb das Spiel souverän nach Hause! Auf den Rängen ist Leicester auch präsent und passt sich Millwalls Niveau gut an. Nach jedem gegnerischen Abstoß ertönt das verächtliche „You fuckin‘ shit, youuuuuuuuuuu areeeeeeeee!“. Wie Millwalls Block reagiert ist wohl nicht weiter zu erläutern. Ich sehe nicht einmal 12jährige Kinder zur Spielfeldbande sprinten, mit erhobenem Mittelfinger, „Piss off you fucking Leicester shit!“ und dann ab zurück zu Vati. Wahnsinn. Der farbige Angreifer Leicesters fällt im Strafraum, kein Elfmeter. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0252.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-156" title="West Stand" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0252-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Der Block quittiert mit „Back where you come from damn monkey!“ und „uh uh uh uh uh“-Lauten das Geschehene. „Millwall against racism!“. So langsam fang ich an das zu glauben. Ich entdecke eine verkappten Germanisten in meinen Block: „You fuckin‘ Arschloch!“ ist wirklich abwechslungsreich. Die Lions sind auf dem Rasen nicht sehr produktiv, wie das ganze Spiel nicht, es ist zwar gut anzusehen, nur Torchancen gibt es keine. Dann ist es aus. Der Block ist wütend, stinkendwütend. Er hat soviel Hass aufgebaut und ich kann mir nicht erklären warum. Es ist kein Derby, es gab keine strittigen Szenen. Naja. Ich will nach Spielende noch in den Millwall-Shop, Anstecker holen. Dieser ist geschlossen und das nicht grundlos. Er befindet sich genau am Ausgang der Auswärtsfans. Und vor dem haben sich an die 200 Millwaller versammelt und warten auf Leicester. Wer Millwall fordert, bekommt Millwall! Die Polizei, hier ja durchaus stark vertreten, versucht, den Auswärtsbereich abzuriegeln. Und dann geht alles sehr schnell, eine Polizistin (!) wird geschlagen, berittene Bullen räumen den Bereich, es gibt erste Festnahmen. Ein Bullenhelm wird als Trophäe im Mob präsentiert, aber alsbald von den Gelben (sie tragen hier stark erkennbare Warnwesten, keinen Körperschutz) zurückerobert. Wenn die Bullen den „verdienten Kampf“ versauen, sind sie es halt, die her halten müssen! Willkommen in Millwall. Die berittene Staffel trennt den Mob, wir werden nach Bermondsey getrieben, weg vom Stadion. Ich laufen in der Gefolgschaft der Bullen mit und mache Videos, sie scheint es nicht zu stören. Sie sind viel mehr damit beschäftigt, den Polizeisanitäter auszurüsten, London kennt seine Problemkinder <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0272.avi">(Im Tross der Bullen)</a>! Dann geht es Schlag auf Schlag, die ersten Flaschen fliegen gegen Pferde, gegen die Reiterstaffel. Die Bullen formieren sich, der Millwall-Mob auch, alles was nicht niet- und nagelfest ist, wird Richtung Bullen geschleudert, man benutzt Straßenabsperrungen um eine Barriere aufzubauen. Ein Polizeitransporter rollt an und wird sofort mit Flaschen eingedeckt. Die Fronten formieren sich, ich stehe mittendrin und hoffe auf das perfekte Video. Meinen zwei Begleitern ist die Sache zu heiß, sie verpissen sich, fürchten sie doch Flachen oder Gummiknüppel abzubekommen. Urplötzlich bekomme ich ein Schlag in den Rücken. Ich unterbreche mein Video, drehe mich um und was mich da erwartet, überrascht mich vollends. Ein Vater mit seinem nicht mal 10jährigen Sohn schreit mich an, dass ich die Kamera weg packen soll: „What are you doin‘ man? You’ve to fight for Millwall, not to take pictures of that!”. Das ist einfach unglaublich! Ich reihe mich mit ihm notgedrungen in den Mob der Straßensperrenerrichter ein. Sein Kind ist immer noch bei ihm. Bierflaschen fliegen, man ist zum äußersten bereit. Eine Frau rennt auf die Straße und fragt wie bescheuert wir (ich rede von wir, da ich ja jetzt wohl oder übel Teil von allem bin) doch sind. Schließlich sind Kinder am Ort. Ich muss feststellen, dass sie vollkommen bescheuert ist, da die meisten Kinder zwischen den Reihen stehen, freiwillig. Die Väter meist in der Nähe, hier wird Hass nicht nur gezüchtet, er wird gelebt. Urplötzlich löst sich unser Mob auf. Ein heißer Tipp kam, dass Leicester am Bahnhof South Bermondsey steht. Und schließlich waren sie es, die zum Tanz gebeten haben. Schnell geht es die etwa 200m zurück. Die Aufgänge sind bereits von Bullen zugestellt und oben stehen sie, die Anhänger Leicesters. Und auch wenn es eine Vielzahl ist, ich schätze sie weit über 500, sind sie ruhig, wirken verängstigt. Denn nur 5 Treppenstufen weiter unten warten unzählige motivierte Millwaller auf die große Chance! „Eeeeeeeeeeeey!“, das ist Einschüchterung par excellance. Viele Jugendliche um die 15-18 sehe ich, in erster Reihe. Die alten, und durchaus furchteinflößenden Kaliber kurz dahinter. Millwall holds the line! Willkommen in Millwall. Da permanent Flaschen Richtung Bahnsteig fliegen, entschließt sich die Polizei den gesamten Vorplatz zu räumen. Das Gros der Leute sammelt sich in Bruchteilen am äußeren Ende in freudiger Erwartung auf Vater Staat. Ich stehe an einer Wand am Rande des Platzes als ich urplötzlich gefragt werde, wo ich herkomme. „Germany, Berlin.“ Ob ich Hertha-Fan wäre, will er wissen, ich verneine lautstark und sage ihm, dass ich Cottbusser wär, er das bestimmt aber nicht kennt. Er behauptet das Gegenteil und meint, dass er vorhabe sich ein Spiel dort anzuschauen. Ich halte das für unrealistisch. Als er mir aber erzählt, dass er schon oft in Deutschland war und sich Spiele von Stuttgart, Pauli, Dortmund und Fortuna Düsseldorf angeschaut hat, schwindet meine Skepsis. Ich will wissen, ob das hier immer so her geht. Er verneint, und sagt, dass das noch gar nix sei, ein eher unterdurchschnittlicher Samstag, wir sollten doch mal vorbei schauen, wenn es gegen Leeds oder besser gegen West Ham gehen sollte. Aus einem angrenzenden Off-Licence Laden stürmt der überaus hünenhafte Besitzer und schreit „Trouuuuuuuuble!“. Die Bullen kommen. Wir türmen vom Platz und kommen über den Hintereingang zur Bahnstation. Diese ist von Bullen abgeriegelt, wohl noch für 10 Minuten, denen nach uns erzählt man für 30. Vom Aufgang kann man die aufgereihten Bullen sehen, die regelmäßig Flaschen und Pflastersteinen ausweichen. Die Werfer sehen wir nicht, eine Häuserwand steht davor. Aus dem Hintergrund kommen 2 Transporter und vollgeschützte mit Knüppeln und Schutzschilden ausgerüstete Polizisten sitzen ab, im Laufschritt auf den Platz. Meine Neugier lässt mich die Bahntrasse hinab rennen auf den Vorplatz, dieser ist bereits leer. Meine Begleiter folgen mir. Da stehen wir, in der Mitte eines Polizeikessels, Wahnsinn. Keine Menschenseele, nur Bullen und wir. Es dauert über eine Minute bis der erste auf uns zu stürmt und fragt, was wir hier wollen. „London Bridge, man!“. Wir sollen den Bus nehmen, der fährt alle 10 Minuten, die Bahn geht absolut nicht. Echt freundlich und hilfsbereit, bedenkt man die Umstände seiner Anwesenheit. Wir erreichen den Bus, ab zur London Bridge, es dauert etwa 20 Minuten bis dorthin. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0258.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-157" title="East Stand" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0258-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Wahnsinn, ein echtes Erlebnis. Wir schieben uns durch das abenddämmerliche London. London Bridge angekommen, erwartet uns die nächste Überraschung, Bullen über Bullen. Wir dürfen die U-Bahn nicht betreten. Warum wird schnell klar. Ein Polizist erzählt mir, dass Millwall-Fans die abfahrenden U-Bahnen der Leicester-Anhänger angegriffen haben. Ich frage mich, wie die hier so schnell hergekommen sind. Im Vorraum werden schon die ersten verhört. Dann dürfen wir durch. Hinab mit der Rolltreppe, uns entgegen kommt eine Gruppe von etwa 20 gut gebauten Jungs von denen ich mir bei zweien hundertprozentig sicher bin, die im Stadion gesehen zu haben. Sie strahlen, wie Kinder an Weihnachten, wie Millwall-Fans, die soeben ein paar Leicester-Anhänger auf ihrem sicher geglaubten Weg nach Hause zusammengepfeffert haben. Unten suchen Bullen planlos nach den letzten Störenfrieden, natürlich erfolglos. Jetzt ab in nen Pub! Das ist meine einzige Intension. Habe ich von dem Spiel etwas mitgenommen? Ja klar. Wer Millwall fordert, bekommt Millwall. Ob man sich hinter Bullen versteckt oder nicht. Und London kennt seine Problemkinder. Willkommen in Millwall!</p>
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		<title>Part V &#8220;So Putney off!&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Mar 2009 22:56:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schweini</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Hopping]]></category>

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		<description><![CDATA[Fulham 1-2 Blackburn Rovers

 Datum: 11.03.08   Stadion: Craven Cottage   Zuschauer: 22259]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fulham 1-2 Blackburn Rovers<br />
</strong><br />
Datum: 11.03.08   Stadion: Craven Cottage   Zuschauer: 22259</p>
<p><a href="null"><img class="alignright" title="Fulham FC" src="http://fulhamfootballclub.files.wordpress.com/2008/08/fulham-fc.jpg" alt="" width="205" height="270" /></a> Bittet man jemanden alle Londoner Premiership-Vereine aufzuzählen, fällt ein Name garantiert als Letzter, wenn er denn überhaupt kommt: der des Fulham FC. Woran das liegt ist schnell erklärt. Fulham fristet in der Liga sowas wie ein Graue-Maus-Image. Zum Absteigen zu gut, zum Oben-Mitspielen zu schlecht. So wie vor einiger Zeit auch der VfL Wolfsburg und was man von dem zu halten hat, brauch ich ja keinem erzählen. Die ebengenannten Eigenschaften könnten durchaus auch auf Tottenham passen, wenn nicht sogar besser. Doch die Spurs haben etwas, von dem Fulham nur träumen kann: eine unglaublich große und treue Gefolgschaft. Dass diese Ausgangslage nicht die schlechteste sein muss, erläutere ich gleich im Anschluss. Zu erst einmal hieß es wieder mal die Anreise in den abenteuerlichen Londoner Untergrundtunneln zu meistern. Schlechte Erfahrungen am Morgen (ich brauchte statt üblich 20 Minuten 105 Minuten in die Stadt!!!) ließen mich eine Stunde mehr zum Stadion einplanen. Es kam wie erwartet, Transport of London versagt wie gewohnt auf ganzer Linie, mein Puffer lässt mich 20 Minuten vor Anpfiff an der Station Putney Bridge ankommen. Zwei U-Bahnstationen vorher passiert man die Station Fulham Broadway, deren hinterer Ausgang zu einer gewissen „Stamford Bridge“ führt. Das ist den meisten eingesessen Fulhamern ein ziemliches Dorn im Auge, warum ausgerechnet ein Krösus-Verein, der nach einem angrenzenden Stadtteil benannt ist, in ihrem Viertel spielen muss. Noch mehr verhasst sind allerdings die „Hoops“ der Queens Park Rangers, mit denen man sich zeitweise sogar das Stadion teilen musste. Fulham ist kein reicher Stadtteil, um es so zu sagen, auch keiner der sich durch besonders  stark repräsentative Mittelschicht hervortut. Das erkennt man auch an der Klientel, die sich mit mir die U-Bahn teilt, viele ostasiatische und schwarze Anhänger hat der Verein, der Bevölkerungsstruktur entsprechend. Von der U-Bahnstation sind es dann noch einmal 10 Minuten Fußweg. Der hat es aber in sich. Positiv. Vorbei an einem Fulham-Pub betritt man den Bishops Park. Ein langgezogener kleiner Park entlang der Themse, akkurat und bei Nacht durchaus ansehnlich, obwohl ich mich hier nicht gern rumtreiben würde, wenn nicht noch unzählige Menschen meinen Weg teilen würden. Am Ende des Parks sehe ich auch schon die Flutlichtmasten in den Londoner Nachthimmel ragen. Ein durchaus schönes Ensemble, links die Themse, um mich herum der Park, direkt vor mir das Stadion mit Flutlichtmasten, die mittlerweile ja auch schon fast zu einer aussterbenden Art gehören! So, zurück zum Anfang! Dass Fulham jenseits von Gut und Böse agiert, hat durchaus seine Vorzüge. Einer davon wäre, dass sich der Verein trotz großer Ambitionen kein neues Stadion leisten kann. So ist es eine Attraktion für jeden Auswärtigen wenn er das „Craven Cottage“ zum ersten Mal besucht. In England bzw. London sind Stadien so nach ziemlich allem benannt: angrenzenden Straßen (White Hart Lane) oder Parks (Selhurst Park), ihrer topografischen Lage (The Valley) oder verachtenswerter Weise auch nach irgendwelchen Geldgebern (Emirates Stadium). Das Craven Cottage ist dort eine weitere Bereicherung. Die deutsche 1:1-Übersetzung gibt zumindest Rätsel auf. Feiglingslandhaus würde es hierzulande heißen müssen. Fakt ist, dass der englische Baron Craven (hat also doch nix mit Feigling zu tun, oder?) genau an dieser Stelle an der Themse vor circa 300 Jahren ein königliches Jagdhaus errichten ließ. Zu einer Zeit also, als hier noch Wälder statt Fußballstadien die Oberhand hatten. Also ein durchaus treffender Name, vor allem wenn eben jenes Landhaus noch existiert und sogar Teil des Stadions ist. Ein absoluter Hammeranblick, zwischen Putney und und Johnny Haynes Stand steht das Craven Cottage (das Landhaus also) trotzig an der Eckfahne mit einem Balkon zur Themse. Da ich meine Karte abholen muss, laufe ich außerhalb des Johnny Haynes Stands zu den mobilen „Ticket Collectors Only“-Wagen. Zwei Stück, nach Nachnamen A-L und M-Z sortiert. Ich bekomme meine Karte recht schnell. So langsam gewöhne ich mich dran, dass mein Name darauf steht. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0210.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-143" title="Craven Cottage" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0210-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Für Deutschlands Kartenvergabemechanismen wünsche ich mir dennoch die alt bekannten schnellen, direkten und vor allem anonymen Zustände. Ich bewundere den Johnny Haynes Stand. Komplett backsteinverkleidet von außen, ein echt unglaublich ungewohnter Anblick. Wer jetzt ungefähr ein Bild des Glasgower Ibrox-Parks vor Augen hat, wird mir in etwa recht geben können. Ich muss zurück zum Eingang Putney Stand. Ich habe mich entschieden dieses Spiel nicht auf Seiten der Heimfans anzuschauen, sondern in den neutralen Bereich zu gehen, der direkt neben dem Auswärtsblock ist. An den Drehkreuzen hat man eine Supersicht auf das Craven Cottage, das an der Längsseite schwarz bemalt und mit dem Schriftzug Fulham Football Club versehen ist. Für mich ist dieses Stadion jetzt schon eine Attraktion meiner London-Tour. Ganz schnell durch, kontrolliert werden nur Blackburn-Fans und Leute mit Tüten. Auffällig viele Fulham-Fans sind jetzt auch im Vorbereich. Wer weiß. Diesmal gibt es keinen Fanbereich unter der geschlossenen Tribüne, sondern nur einen Vorplatz mit Ein- bzw. Aufgängen, wie man das von uns her kennt. Da nicht viel Zeit ist, bewege ich mich vorbei an dem obligatorischen Buchmacherhäuschen zum Aufgang und steh drin. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0216.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-144" title="Craven Cottage" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0216-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0221.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-145" title="Johnny Haynes Stand" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0221-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0223.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-146" title="Craven Cottage" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0223-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Im Neutral Block. Die Erfindung schlecht hin und dafür gibt es für Fulham den nächsten Daumen nach oben. Man nehme so viele neutrale Fans wie man finden kann, in diesem Fall einen, nämlich mich. Die restliche halbe Tribüne füllt man mit einer Anzahl x Fulham-Fans und der gleichen Anzahl y Blackburn-Fans. Schon ist dieser Block neutral. Fehlt noch eine räumliche Trennung zwischen beiden Bereichen der Tribüne: ein einfacher Aufgang, keine Zäune, keine Ordner. Einfach nur stark, und im Laufe des Spiels auch durchaus lustig. Ich bewundere trotzdem erst einmal das Stadioninnere<a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0218.avi"> (Stadionüberblick)</a>. Pudney und gegenüberliegender Hammersmith Stand (Home Supporter) sind ebenso wie der exakt an der Themse liegende Riverside Stand halbwegs modernerer Natur. Der östliche Johnny Haynes Stand dafür ist einfach nur legendär. Von außen, wie bereits erwähnt mit Backstein gemauert, innen eine Holzkonstruktion, hochgezogen 1905. Das Dach hat Walm- und Landhausoptik. Eine absolute Augenweide, viel ansehnlicher als es beliebig viele neuartig lieblos hingerotzte Eventstadientribünen sein könnten. Wem fiel überhaupt jemals ein, ein 5-Sterne-Ranking für Europas Stadien einzuführen? Hätte er dieses Stadion gesehen, wäre das sicherlich nicht passiert. Aufgrund dieser Holzkonstruktion ist in Fulham das Rauchen schon seit Ewigkeiten verboten. Das Craven Cottage in der Ecke bietet eine weitere Überraschung. Auf dem Balkon befinden sich VIP-Plätze. Fern ab von Kaviar und Glasboxen, schaut man hier für horrendes Geld Fußball von der Holzterrasse eines 300 Jahre alten Jagdhauses. Ich beneide die dort oben sitzenden Jungs und habe erstmals Respekt vor VIP-Fans. Hier wird viel Geld für Mythos und Geschichte bezahlt, auch wenn man draußen sitzen muss und die Sicht nicht wirklich die Beste ist. Ich sitze auf der Höhe, an der die Fünf-Meter-Linie rechts die Grundlinie trifft, vierte Reihe. Man schaut fast eben aufs Feld. Genial. Dann geht es los, die Spieler kommen aus dem Gang neben dem Craven Cottage. Blackburn macht von Anfang an Rabatz. „Blackburn scores away!“ ertönt es neben mir. Der neutrale Block ist schön aufgeteilt, links, rechts und vor mir Cottager, wie man sie in London gerne nennt. Hinter mir geschlossen Rovers-Anhänger. Blackburn gibt auf den Rängen Gas, Fulham dafür auf dem Rasen. 2. Minute: Clint Dempsey trifft. Was für ein Auftakt. Der Hammersmith Stand ist ganz aus dem Häuschen, der Riverside und Johnny Haynes Stand auch. Der Putney Stand nur vereinzelt. Wie viele Rovers-Anhänger gerade verzweifeln ist schwer zu schätzen. Auf der linken Seite sind bestimmt an die 1000 Mann da, wie viele auf meiner Seite stehen, ist dem Gewusel nicht wirklich zu entnehmen. Fulham ist auf den Rängen wirklich behäbig, es dauert bis zur 20. Minute bis endlich „Come on, Fulham“ und „Fulham, Fulham!“-Rufe ertönen, beeindruckend ist das nicht <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0229.avi">(Ecke Fulham)</a>. Blackburn ist da durchaus lustiger, permanentes „Blackburn scores away“ ist irgendwie lustig, bedenkt man doch, dass es wie jedes Jahr um den Abstieg geht. Kurz danach trifft Robert für Blackburn sehenswert den Pfosten, mehr passiert auf dem Platz nicht. Ungünstig an der nahen Distanz zum Rasen ist der fehlende Überblick. In Arsenal und Tottenham wurde das durch Videowände die das Spiel in Super-Teleeinstellung übertragen haben wett gemacht. Fulham hat keine Videowand. Der Trikotsponsor ist übrigens LG, das aber nur am Rande. Auf den Videobanden laufen die aktuellen Wettquoten für dieses Spiel durch. Blackburn jetzt mit 9er-Quote, für Fulham-Sieg würde es knapp 1,3 geben. Überraschend ist das auch nicht. Erst die Halbzeit ist vielversprechend. Die Spieler und Trainer traben nur von ihren Coachingzonen den Platz herüber zum Craven Cottage und dessen Tunnel. Rovers-Anhänger pöbeln Fulham-Spieler voll, Cottager Rovers-Spieler. Dazwischen sich gegenseitig, wir befinden uns in einem Block, es werden Fäuste geballt. Ordner schauen dem Treiben zu. Polizei? Vermutlich organisiert die schon eine perfekte Schlange zu den U-Bahnaufgängen für nach dem Spiel. Vor der Tribüne im Vorplatz sind über den Getränkeausgaben Monitore aufgehängt. Die erste Halbzeit wird darauf in Highlights kommentiert gezeigt, spitze! Außerdem laufen die CL-Spiel-Ergebnisse durch. Die aktuellen Wettquoten auch hier. Der Stadionsprecher löst die Lottery-Tickets-Ziehung auf. Ich höre genau hin, denn in allen Spielen haben mir permanent Leute vor dem Stadion versucht Lottery-Tickets anzudrehen und ich hatte keine Ahnung was das sein soll. Jetzt wird es mir klar. Der Stadionsprecher zieht eine Nummer, diese gewinnt nun £301 (ja, und £1, warum auch immer) und zwei Karten für das nächste Heimspiel. Innerlich überlege ich mir, dass ich das Geld nehmen würde. Die Karten eventuell auch, kommt drauf an, wer kommt. Denn Fulhams Stimmung ist nun wirklich Kanone, und die Jungs führen 1:0. Naja, ab zurück ins Stadion. Da sitze ich wieder und schweife abermals begeistert meinen Blick durchs Stadion. Die zweite Halbzeit beginnt. Tja, und über die nächsten 30 Minuten kann ich nicht viel sagen. Spielerisch sind die absolut nicht erwähnenswert. Dafür aber vom Kampfgeist Blackburns. Überhartes Einsteigen, jedenfalls in meinen von Bundesligafußball „vergifteten“ Augen. Doch auch härteste Grätschen von der Seite mit knallhartem Körperkontakt fern ab des Balles erzeugen nur eine Reaktion: Pfiffe auf der Tribüne, einen Pfiff, ein Shakehands und einen schnell ausgeführten Freistoß auf dem Platz. Ich gerate regelrecht ins Schwärmen darüber. Dass das Spiel scheiße ist, scheint auch dem Blackburn-Mob egal zu sein, sie feiern sich selbst. Fulham auf dem Rasen etwas besser, auf den Rängen Ligen schlechter. Lustig ist es nur anzusehen, wenn Dempsey regelmäßig vor Blackburns Strafraum gefällt wird, der mir jetzt gegenüber liegt. Man sieht immer die gleichen Gestalten sich vom Hammersmith Stand erheben und fluchen. So plätschert es vor sich hin, Blackburns Anhänger bringen jetzt auch ab und zu anderes Liedgut ein. Die machen richtig Spaß. Und in der 70. Minute richtig. El Hadji-Diouf (ja richtig, in England spielt so einer um den Abstieg) gleicht aus. Unzählige Rovers-Fans stürmen die Treppen Richtung Spielfeld hinunter, einfach nur um da in die Knie zu sinken und 2 Minuten (!) zu jubeln. Da Punkte in Blackburn eher die Ausnahme sind, kann ich das durchaus nachvollziehen. „Blackburn scores away“ setzt wiederrum ein, nun energischer, lauter und zum ersten Mal auch realistisch. Jetzt wird das Spiel auch schöner, schneller, beide Teams wollen gewinnen und haben auch alle Chancen dazu. Ich vermisse die aktuellen Wettquoten. Naja, macht ja auch nichts. 85. Minute, das Spiel scheint ein Remis zu bleiben, wäre da nicht Jackson Robert, der mit einer echt sehenswerten Körpertäuschung den Ball an Mark Schwarzer vorbei zur Blackburner Glückseligkeit in die Maschen drischt. Jetzt wird es richtig laut, zumindest auf meiner Seite des Craven Cottage. So freut man sich also, wenn man sonst nicht oft gewinnt. Der Hammersmith Stand wird in Heerscharen verlassen. Viele bemerken gar nicht mehr Fulhams letzte starke Druckphase. Dann ist aber Schluss, der Putney Stand versinkt mehr oder minder in einer Jubelwelle. Die, die daran nicht teilhaben wollen, gehen. Ich beobachte den Blackburn-Anhang noch ein wenig, da die Jungs richtig Laune machen, dann schiebe ich mich aber dennoch mit der Masse nach draußen. Vorbei am Craven Cottage, durch den Bishops Park an der ruhigen Themse in Richtung Putney Bridge. Ja, da ist er der Beweis den ich brauchte um mir erklären zu können, warum Fulham wohl nie aus dem Schatten der anderen großen vier Londoner Vereine heraustreten wird. Wie ich mich aber ein letztes Mal umdrehe und die Flutlichtmasten über den Baumkronen des Bishops Park erkenne, muss ich mir aber eingestehen, dass das eigentlich auch ganz gut so ist.</p>
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		<title>Part IV &#8220;Get Wet for the Arsenal!&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2009 01:30:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schweini</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Hopping]]></category>

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		<description><![CDATA[Arsenal 3-0 Burnley

Datum: 08.03.2009   Stadion: Emirates Stadium   Zuschauer: 57454]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Arsenal 3-0 Burnley</strong></p>
<p>Datum: 08.03.2009   Stadion: Emirates Stadium   Zuschauer: 57454</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><a href="null"><img class="alignright" title="Arsenal" src="http://www.yukonsoccer.yk.ca/coed/images/510px-Arsenal_FC.svg.png" alt="" width="196" height="230" /></a> Arsenal: für viele, die London besuchen und Fußball schauen wollen, die erste Anlaufadresse. Seltsamer Weise ist diese aber schon zum Scheitern verurteilt, wenn es nur darum geht Karten zu bekommen (ähnlich wie bei Chelsea). Deshalb am Anfang ein paar Worte zum fast schon kriminellen Kartenvergabesystem von Arsenal: Sollte man nicht den Drang verspüren (oder die finanziellen Mittel haben) sich eine Dauerkarte im Wert von £925 (Scheißplätze) bis £4750 (VIP-Loge) zu holen, kann man sich für £36 die Silbermitgliedschaft kaufen, die aber nur garantiert, dass man zwei Monate vor Spielbeginn Karten kaufen kann oder besser darf, nicht aber, dass man dann auch Erfolg hat, welche zu bekommen. Um Dauerkarteninhaber zu werden, muss man sich auf eine Warteliste eintragen. Das kostet £50, kriegt man eine, werden die gut geschrieben, kriegt man keine: Pustekuchen. Wenn man also dennoch ins Stadion möchte, kann man immerhin noch Red Member werden. Da bezahlt man £33 pro Saison und darf einen Monat vorher Karten bestellen und da Arsenal ja ein fairer Verein ist, werden von den 60000 Plätzen im Stadion sage und schreibe 1500 für Red Member reserviert. Wie viele Red Member um diese Plätze streiten, ist nicht rauszubekommen. Wer jetzt denkt: „Hey, £3 mehr, dann bin ich doch Silver Member und habe eine größere Chance!“ dem sage ich nur ein Wort: Warteliste. Und was ein Platz darauf kostet, wissen wir ja jetzt. Dass ich dennoch ins Stadion gekommen bin, verdanke ich dem System an sich, denn nur, weil man £2000 im Jahr bezahlt, heißt das noch lange nicht, dass man zu jedem Spiel darf. Aber dazu später mehr. Erst einmal bleibt nur festzuhalten, dass solche Umstände niemals in Deutschland der Fall werden dürfen! Anderthalb Stunden vor Spielbeginn fällt mir auf, dass meine Kamera den Geist aufgegeben hat. Scheiße! Ich tätige einen Anruf, habe Glück und kann mir eine Ersatzkamera von einer Freundin abholen. Jetzt aber schnell ab zur U-Bahn. Aber da schon der nächste Schock: die Station ist geschlossen, heute fährt keine Linie in die Stadt, nur Busersatz, man solle doch bitte 45 Minuten mehr einplanen; wohin auch immer. Diese Bekanntmachung hing gestern Abend noch nicht. Ich verfluche London und alle für sein öffentliches Verkehrssystem zuständigen Personen. Hilft alles nichts. Per Anhalter komme ich zum U-Bahnhof Redbridge, schnell die Kamera abholen und zur Bahn. Noch eine Stunde! Auch diese Linie fährt nur zwei Stationen, dann muss ich in einen Ersatzbus, 30 Minuten soll ich auch hier mehr einplanen. Mein Puls erreicht ungesunde Geschwindigkeiten. Noch etwas weniger als eine Stunde. Raus aus der Bahn, rein in den Bus. Dieser fährt dann mit Schrittgeschwindigkeit durch die engen Straßen, Hoffnung keimt in mir auf, er muss nur 4 U-Bahnhöfe anfahren, dann sind es nach einmal Umsteigen nur noch mal vier Stationen bis zum Emirates Stadium. Hoffnung keimt auf. Noch 35 Minuten, doch dann das Unerwartete: statt zur Liverpool Street zu fahren, schmeißt uns der Bus in Stratford raus! Weiter sollen wir nun mit dem National Rail Service. Wann der kommt? Keiner weiß das! Ich laufe unruhig den Bahnsteig hoch und runter. Dieses dämliche Nahverkehrssystem, meine Halsschlagader ist kurz vorm Bersten. Noch 15 Minuten bis zum Anstoß, kein Zug in Sicht. Ich sehe einen Arsenal-Fan am Steig. Okay, ich bin nicht der einzige, der vom Transport of London heute verarscht wurde! Noch 10 Minuten bis zum Anstoß. Die Bahn kommt. Endlich, schnell rein und dann nach 5 Minuten ohne Zwischenstopp an der Liverpool Street raus, ab in die Ringbahn. Puh, das ging alles ganz schnell. Am King’s Cross muss ich raus, von da sind es nur noch vier Stationen. Ich male mir Chancen aus eventuell nur fünf Minuten zu verpassen. Zwischenzeitlich hatte ich mit dem Verpassen der gesamten ersten Halbzeit gerechnet. Am King’s Cross angekommen, renne ich schnellstmöglich zur Piccadilly Line. Ein Haufen sensationslustiger Japaner versperrt den Aufgang zur anderen Linie, meiner Linie zu Arsenal! Ihre dummdreiste Eigenart mir ein Spiel versauen zu wollen bezahlen zwei von ihnen mit energischen Ellbogenschlägen in die Seite. Der Weg ist frei, die Treppe hoch und dann in die Bahn. Die Japaner sind deutlich aufgebracht und so gern ich die Situation weiter eskaliert hätte, allein schon als Ventil für meine beschissene Anreise, muss ich erkennen, dass ich keine Zeit mehr habe. 13.30Uhr, Anstoß. Scheiße! Ich stehe an der Bahn, die nächste ist in 3 Minuten angezeigt. Sie kommt natürlich nicht! Der fast schon verflogene Ärger kocht erneut hoch. Ich bin stinkend sauer, auf London, auf mich, auf die Japaner! Endlich, die Bahn. Noch drei Stationen. Ich komme langsam runter. Vor mir liegt eine aufgeblätterte Sun mit dem Aufmacher „Teenage girl’s dad: ‚My 15-year-old daughter is a hooker. So what?‘. Klasse, ich wette, spätestens Montag ist das Ding in der Bild. Arsenal, U-Bahnhof Arsenal. Eine Erlösung, die Türen gehen auf, sofort stürmen etwa fünf oder sechs unterschiedliche Personen Richtung Stadion. Okay, ich renne hinterher, vielleicht lassen die keinen mehr rein, wer weiß, warum sollten die sonst rennen!? Ich ziehe meine Karte (£32,50, geholt am vergangenen Mittwoch am Stadion, deshalb weiß ich, wo ich hin muss) und erklimme die letzten Stufen. Ich höre Gesänge, gute Stimmung. Arsenal spielt seit etwa 17 Minuten. Durch das Drehkreuz, wieder keine nervigen Kontrollen, ja. Geschafft! Mein Puls beruhigt sich. Ich kaufe einer jungen Schwarzen, die mit mir die einzige im Vortribünenbereich ist, ein Programmheft ab. Zu spät bin ich ja eh schon! Und dann den Aufgang hinauf, ich stehe drin. Kein Ordner, den ich nach meinem Sitzplatz fragen kann. Okay, also selber suchen, das wird mir ne Menge Freunde bringen. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsc02317.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-118" title="Emirates Stadium" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsc02317-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Das Stadion ist nicht ausverkauft, Burnley scheint nicht so der Brecher an den Kartenhäuschen zu sein. Ich sehe meine Reihe und frage den Erstbesten nach der Nummer auf meiner Karte, er zeigt auf dem Platz neben sich. Ich bedanke mich und frage nach dem Spielstand: „Nil nil“ antwortet er, okay, nichts verpasst! Sein nächster Sitznachbar, ein schwarzer Mittvierziger fragt, wo ich herkomme und er ist ganz begeistert als ich ihm antworte, dass ich aus Deutschland sei. Ich zücke die Kamera, mache ein Stadionvideo und prompt fällt das 1:0 durch Vela (<a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/mov02319.avi">Video zum 1:0 für Arsenal</a>). Meine Sitznachbarn bedanken sich bei mir, da sie denken, dass ich ihnen Glück bringe. Lustig die beiden, ich steige drauf ein. Der Schwarze, Des, und sein weißer Freund, Jason, sind, wie sie mir erzählen, Fans der ersten Stunde. Jason ist Dauerkarteninhaber seit 21 Jahren. Er hat die Höhen und Tiefen der letzten beiden Dekaden erlebt. Wir unterhalten uns angeregt. Es beginnt auch einmal stark zu regnen, der Wind steht ungünstig und weht den Starkregen ins Stadion. Erstaunlicherweise stehen viele auf um das Spiel im Stadioninneren zu schauen, da dort Monitore aufgehängt sind! Ich muss lachen, und erwähne zu den beiden wie „Ridicolous!“ ich das finde. Jason gibt mir prompt recht, er ist stolz auf Arsenal, auf das neue Stadion auch, doch seit dem Umzug vom Highbury Park hat sich die Zuschauerstruktur gewandelt, meint er. Mehr Business, mehr Event. Er trauert dem Highbury Park nach und obwohl ich nie ein Spiel darin verfolgt habe, tu ich es ihm gleich! Von den Rängen erschallt „Get wet for the Arsenal!“, dennoch sind wir nach 10 Minuten Regen (35 insgesamt) so ziemlich die einzigen, die auf ihren echt gut gepolsterten Plätzen sitzen. Ich finde die Stimmung schlecht, zumindest nicht gut. Ich erwähne, dass Tottenham deutlich mehr geliefert hat, was die beiden entsetzt. Ich werde belehrt, dass dieser Name in dem Stadion nichts verloren hat, zumindest nicht, wenn man ihn nicht negativ gebraucht. Dass der Name des Hassvereins Nummer Eins, dessen Stadion nicht einmal 4 km weiter östlich liegt dennoch fällt, zaubert mir ein Schmunzeln ins Gesicht. Eine bekannte Elvis-Presley-Hymne wird neu betextet: „Are you Tottenham in Disguise, oh yes you are Tottenham in Disguise!“. Dafür gibt es von mir ganz klar einen Daumen hoch! Es ist die 43. Minute, Jason lädt mich auf „some beers“ ein. Es wundert mich doppelt: erstens warum gerade jetzt und zweiten warum „some beerS“ und nicht „some beer“. Alles klärt sich auf. Des erzählt mir, dass Arsenal nie am Ende der ersten Halbzeit trifft und „some Beers“ heißt „some Beers“! Jason holt 18 (!) Flaschen Cider, für jeden sechs à 0,33l. Wir haben auch in England nur 15 Minuten Halbzeitpause. Des sagt, dass es so üblich ist. Wir dürfen Bier schließlich nicht mit ins Stadion nehmen, also ist es unser Ziel so schnell wie möglich so voll wie möglich zu sein. Eine durchaus gesunde Einstellung. Währenddessen unterhalten wir uns über ihre Mitgliedschaft. Jason und Des bezahlen jeweils £1300 im Jahr um Arsenal zu sehen. Darin enthalten sind alle  Premiership-Spiele, aber nur jeweils fünf FA-Cup und fünf Champions-League-Spiele. Alle weiteren müssen bezahlt werden, so wie dieses hier. Alle Mitglieder müssen zwei Wochen vor Spielbeginn die Karte kaufen, oder sie geht an die Tageskasse. Den Platz, den ich inne hab, gehört eigentlich dem Dauerkartenbesitzer Jack, dem Freund der beiden, der aber keinen Bock auf dieses Spiel hatte. Was für ne Verarsche. Carling-Cup-Spiele sind generell extra zu bezahlen. Wir unterhalten uns angeregt über dieses System. Aber für Jason und Des stellt sich die Frage der Dauerkarte gar nicht. Beide seit 21 Jahren Besitzer eben selber, unterstützen den Club von Anfang an, für immer und ewig. Jasons erste Dauerkarte in Highbury kostete £190, jetzt fast das zehnfache und dennoch ist er dabei. Ich berichte ihnen von deutschen Stadionverhältnissen und sie sind beeindruckt. Doch auch Jasons Argument, dass wenn er keine Dauerkarte hätte, sofort jemand anderes an seine Stelle treten würde, klingt durchaus plausibel. Hier opfern Leute alles, was sie haben für ihren Verein, auch wenn der sie nach Strich und Faden verarscht! Auf meine Frage, ob sich die beiden von Arsenal als Fans respektiert fühlen, müssen beide stark nachdenken. Die Distanz zwischen Verein und Fan ist dann doch zu groß. Sie sind schon stolz auf alles was Arsenal geschaffen hat, doch auf meine Frage hin, ob ein neues Stadion den Verlust einer Identität rechtfertigt, wissen beide keine Antwort. Ich bringe das Beispiel Tottenham an, allein der Name schaltet ihre Ohren auf Durchzug. Wir schauen auf die Bildschirme, Oh Gott, 51. Minute. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsc023211.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-120" title="JasonundDes" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsc023211-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Vor lauter Diskutieren über deutsche und englische Fußballverhältnisse, vergessen wir das Spiel. Nichts wie rein, wir betreten das Emirates und wie durch Zufall fällt das 2:0 durch Eduardo genau in dem Moment als wir die Treppe zu unseren Plätzen herablaufen. Mein Einwurf „Did you recognize that ever I entered this fucking stadium Arsenal scored!?” wird von den beiden begeistert aufgenommen. Des bietet mir den Platz von Jack, dem Typen, der nicht da ist, auf Dauer an. Ich fühle mich auf einmal übermäßig gut, hätte ich doch just in diesem Moment Arsenals kriminelles Kartenvergabesystem ausgehebelt! Ich lehne dankend ab, denn ein Besuch in diesem Stadion reicht mir, denn die Stimmung ist beschissen. Außer „We’re going to Wembley!“ fehlen mir so überraschend innovative Moment wie „Tottenham in Disguise!“ völlig, zumal kaum jemand mit einsteigt. Event-Fußball halt. Vom Spiel Arsenals ist nicht viel zu berichten, außer, dass ich sie mir deutlich besser vorgestellt habe. Arschawin und van Persie sind schon verdammt gut, das Gesamtensemle stimmt mich trotzdem nicht freundlicher, es plätschert eher vor sich hin! Gegen einen Zweitligisten hatte ich besseres erwartet. Jason erzählt mir, dass Burnley echt gut ist, zumindest in der Championsship. Und als in der 75. Minute der erste Burnleyangriff am Pfosten landet, nehme ich die Gäste erstmals war, sie sitzen uns direkt gegenüber, grob geschätzt 5000 Mann. Sie füllen zwei Blöcke, warum sie bis jetzt total lautlos waren, ist mir ein Rätsel, denn ihr Lied „We’re Bunley Guys from the Riverside“ ist wirklich nicht schlecht und auch der Atmosphäre wird endlich einmal genüge getan. Jason bittet mich einmal hinaus zu gehen und wieder die Treppen hinab zu laufen, er ist sehr abergläubisch und denkt wirklich, dass immer wenn ich ins Stadion komme, Arsenal trifft. Ich tue ihm den Gefallen, nicht ihm zu Liebe, aber die knapp 2 Liter Bier in nicht einmal 20 Minuten drücken immens nach außen. Warum auch immer trifft Eboue in der 84. als ich gerade an meinem Platz angekommen bin. Des und Jason fühlen sich bestätigt. Ich solle doch öfter kommen. Nein Danke. Da sich das Spiel dem Ende zu neigt, laden mich beide noch auf ein Pint in einem Pub ein. Okay, ich bin ja durchaus gastfreundlich, speziell in solchen Fällen. Arschawin und van Persie spielen noch eine geile Kombination mit der Hacke. „That’s why I spend more than £1000 each year!“ beichtet mir Jason, irgendwo kann ich ihn verstehen. Liebe in der höchsten Form. Er fühlt sich auserwählt einen Verein zu unterstützen, mit dessen horrenden Eintrittsgeldern er Spieler wie Arschawin nach Islington holt. Dann der Schlusspfiff. „Wanna have some beer?“. Ja klar, warum nicht. Wir schieben uns aus dem Stadion, besonders stimmungsvoll war es nicht, zumal das Gros der Leute das Emirates bereits in der 80. verlassen hat. Ich höre „Red Army“-Gesänge. Auf meine Frage hin gibt Des kleinlaut zu, dass dies durchaus von Tottenhams „Yid Army“ abgekupfert ist. Innovativ ist es auch nicht. Er wimmelt ab. Wir kommen auch an Fanartikelständen vorbei. T-Shirts, auf denen Arsene Wenger Robbie Keane bepisst, pflastern unseren Weg. Die gute alte Feindschaft. Nach kurzem Zwangszwischenstopp durch die Polizei sind wir da: „The Gas Light“. Die Arsenalkneipe am U-Bahnhof Farrington. Eng, laut, einfach nur gut. Ich revanchiere mich mit einem Bier für die beiden. Ein Fehler, denn Des fühlt sich herausgefordert und holt sofort zwei neue alleine für mich. Ich erkenne sofort die alte englische Sitte, bevor die Sperrzeiten abgeschafft wurden: trink soviel wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsc02323.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-121" title="Emirates Stadium" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsc02323-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Es geht wirklich. Mein Englisch wird besser, zumindest glaube ich das. Wir unterhalten uns über die Unterschiede zwischen deutschem und englischem Fußball. Beide sind durchaus neidisch, als ich ihnen von Aktionen wie Pro15:30 erzähle. Die Eintrittspreise in Deutschland schockieren sie: positiv! Währenddessen Des versucht die Kellnerin abzuschleppen, was am Ende Erfolg haben wird, unterhalte ich mich mit Jason. Wir reden über Filme wie „Green Street“ und „Football Factory“. Nach dem nächsten Pint gesteht er ein, Anfang der Neunziger Teil der Arsenalfirma gewesen zu sein. Er zeigt mir seine Tattoos auf Rücken und Oberarm. Er versichert mir, dass West Hams ICF die größte Firma war und die furcht einflößenste dazu. Arsenals Firma sei aber zu unbedeutend gegenüber den großen aus West Ham, Millwall und Tottenham gewesen. So unbedeutend, dass sie nicht mal einen Namen hatte. Weiterhin erzählt er mir, dass alles in dem Film „(Green Street) Hooligans“ Gezeigte, der Wahrheit entspricht. Schlachten, die so stattgefunden haben. Selbst den Major habe es gegeben, der seinen Bruder verlor. Ich bin beeindruckt. Außerdem erfahre ich von Jason, dass die „Yid Army“ keinesfalls ein Schlachtruf ist, sondern, dass die „Yid Army“ als einzige Firma die Zeit überdauert hat. West Ham, Arsenal und Millwall zusammen seien ein Witz gegen die Hälfte der „Yid Army“, da sie wohl über genügend Jugendpotenzial verfügt und für sich den Titel stärkste und/oder gar einzige Firma Englands in Anspruch nehmen kann. Der Respekt gegenüber den „Bastards from the White Hart Lane“ ist deutlich spürbar. Das Bier zeigt langsam seine Wirkung. Des kommt zurück (mit Frau) und ist wie Jason davon beeindruckt, dass das Energie-Wappen dem von Arsenal zumindest in Form und Farbgebung gleicht. Jason stellt waghalsige Vermutungen an wie gleich sich Cottbus und Arsenal doch sind, doch nur weil wir die gleichen Farben haben, würde Arsenal uns trotzdem nicht van Persie schenken! Ihm ist das egal, er ist sowieso nur noch am Stammeln. Des am Fummeln, und ich am Sammeln. Des zeigt mir seine Dauerkarte, ich darf sie sogar in der Hand halten. Klein und in rotem Leder eingebunden. Ich habe nie zuvor eine Eintrittskarte für £1300 in meinen Händen gehalten. Ich sage den beiden, dass ich genug habe, hui, halb sechs, und gehen möchte. Die beiden willigen ein, bestellen aber für jeden noch ein Bier. Ich ringe beiden noch beste Wünsche für Cottbus‘ Mission zum Klassenerhalt ab (siehe hierzu die Videobotschaften von <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/des.avi">Des</a> und <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/jason.avi">Jason</a> auf denen zweifellos erkennbar ist, dass wir doch den ein oder anderen Liter Bier zu viel im Schädel haben) und verlasse mit ihnen „The Gas Light“. Ich kann keine zwei Meter geradeaus gehen, geschweige denn unfallfrei sprechen. Unsere Verabschiedung klappt trotzdem. Ich mag die beiden. Wir trennen uns. Ich steige in die Bahn um den umständlichen Weg zurück anzutreten. Ich bin mir schnell sicher: auch wenn die Jungs cooler drauf waren, Tottenham bleibt mir sympathischer und vor allem leidenschaftlicher in Erinnerung! Aber psst: „We never use this word in Islington, except of blame!”</p>
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		<title>Part III &#8220;Please donate for our heroes, Sir!&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Mar 2009 22:27:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schweini</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Crystal Palace 2-1 Preston Northend

 Datum: 07.03.2009   Stadion: Selhurst Park   Zuschauer: 16340   ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Crystal Palace 2-1 Preston Northend<br />
</strong><br />
Datum: 07.03.2009   Stadion: Selhurst Park   Zuschauer: 16340   <a href="null"><img class="alignright" title="Crystal Palace" src="http://student.dcu.ie/~murpha74/Crystal%20Palace%20Crest%202.jpg" alt="" width="225" height="270" /></a></p>
<p>Es ist Samstag, genau wie in Deutschland klassischer Fußballtag. Ich suche dennoch erst einmal nach einem Pub in London, der die Bundesliga überträgt, damit ich Energie sehen kann. Die Suche ist erfolglos. Mir völlig unverständlich, die Stadt ist voll mit Deutschen (allein gestern Abend traf ich drei, keine Touristen, sondern Kellner und Barkeeper), eine Riesenchance, aber naja, dann muss ich wohl doch ins Stadion. Da ich heute Zeit habe, kann ich in die Vororte raus. Da Wimbledon nicht spielt, entscheide ich mich für Crystal Palace, dem Zweitliga-Verein aus South Norwood. Unglücklicherweise werden am Wochenende alle Tube-Linien  für Olympia 2012 in Stand gesetzt, d.h. Reisen werden noch länger. Vom Ticketschalter in West Ham (ums vorweg zu nehmen, ich habe keine Karte bekommen, muss mir also was anderes einfallen lassen) sind es etwa eine Stunde und 45 Minuten. Das Transportsystem in London, für eine 8-Millionen-Einwohner-Stadt, die für sich den Begriff Metropole und Zentrum Europas verbucht, einfach nur lächerlich!<br />
Ich steige an der Selhurst Station aus, auch hier ist das Stadion wieder aus der Bahn heraus zu erblicken, die Straßen zum Stadion sind diesmal noch enger. Ich bewundere den Mut der Anwohner ihre Autos draußen stehen zu lassen, im Hinterkopf habe ich die Bilder vom Pauli-Hansa-Spiel des vergangenen Freitags. Zum Stadion muss eine Anhöhe genommen werden, die Ansicht wird vom  Homesdale Road Stand auf der Südseite dominiert, der einzigen Tribüne mit zwei Rängen. Vor dem Stadion stehen stolz Offiziere der britischen Armee mit Spendendosen, die auffordern für die „Helden in Übersee“ zu spenden. Den Gefallen tue ich ihnen nicht, das ich aber durchaus hilfsbereit bin, zeigt sich nicht einmal eine Minute später. Eine Sonderaktion des Vereins lässt Kinder in Begleitung eines Erwachsenen für einen Pfund ins Stadion. Vor dem Kartenhäuschen spricht mich ein vielleicht zehn- oder elfjähriger Junge an, ob ich seinen Vater spielen könnte, damit er ins Stadion kann. Obwohl ich mich frage, wo seine richtigen Eltern sind und ob sie ihr Kind wirklich alleine zum Fußball lassen, verzichte ich auf meinen Studentenrabatt und kaufe mir eine Adultkarte (£24,50) für den Homesdale Road Stand und eine Kinderkarte für ihn.<br />
Dann geht’s ins Stadion, der Innenbereich wie bekannt unter der Tribüne, alles ist in rot und blau gehalten. Kurz vor meinem Aufgang ist ein Buchmacherbüro, mit erstaunlich großem Zulauf.<br />
Ich betrete den Rang am oberen Eingang, auf dem Spielfeld spielt eine Militärkapelle klassische britische Märsche, ich erinnere mich an die Spendenaktion und würde der Stadionsprecher jetzt den bei englischen Fans beliebten Klassiker „Ten German Bombers“ anstimmen, es würde mich nicht wundern. Ich frage jemanden, ob ich einen Blick ins Programmheft werfen könne. Es ist kein Sondertag der britischen Armee angekündigt, scheint hier also immer so zu sein. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0170.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-107" title="Selhurst Park" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0170-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><br />
Mein Platz ist in der dritten Reihe zwischen Tor und rechter Eckfahne. Mir gegenüber befindet sich der Whitehorse Lane Stand, der seltsamer Weise die VIP-Tribünen enthält, hinterm Tor wohlgemerkt. An den Seiten der in die Jahre gekommene Main und der Arthur Wait Stand. Kurz vor Spielbeginn gesellt sich mein Sitznachbar zu mir, ein überdimensionierter Typ, dessen Oberschenkel jeweils so groß wie mein Hüftumfang zu sein scheinen. Mein Sitz verliert jeden Komfort, mir bleibt enorm wenig Luft zum Atmen, nicht nur auf Grund seiner Körperfülle sondern auch dank seines penetranten Schweißgeruches. Ich bin bedient.<br />
Die Preston-Fans stehen zu meiner Rechten auf der Gegengerade, vielleicht 200 Mann, besonders laut sind sie nicht! Was mir auffällt, ist das Gefälle der Altersstruktur in meinem Block Viele U18, viele Ü50, dazwischen kaum etwas. Dann stimmt uns der Stadionsprecher auf die Partie ein, vorher kommt noch „Allan the Eagle“ zu unserem Block, ein Maskottchen gegen den das Clerasil-Monster vom HSV ein Kunstwerk zu sein scheint. Das hässlichste Maskottchen, das ich je gesehen habe. Der DFB und die DFL sollten sich zusammen tun und anstatt Verhandlungen über Fernsehgelder zu führen sofort alle Maskottchen aus BuLi-Stadien bannen, um zu verhindern, dass jemals ein „Allan the Eagle“ bei uns zu sehen ist. St. Pauli ist manchmal zu beneiden, auch wenn es nur darum geht, dass sie auf dämliche, sinnlose Maskottchen verzichten. Dann geht’s los. Cheerleader puscheln die Spieler ein, der absolute Tiefpunkt schon vor Spielbeginn. Einfach nur schlecht, aus den Boxen dröhnt Seven-Nation-Army. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0184.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-110" title="Stadionanordnung" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0184-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Neben mir haben sich etwa 50 Jugendliche mit Fahnen zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, die wohl an Ultrà angelehnt ist, aber mit 3 Mini-Schwenkfahnen und 10 wedelnden Schals einfach nur lächerlich ist. Viele von ihnen haben ihre vielleicht 15-jährigen Freundinnen dabei. Naja, die Jungs sind auf jeden Fall nicht ernst zu nehmen. Auch dass sie permanent Seven-Nation-Army anstimmen, geht mir tierisch auf den Sack. Ich kann doch nicht der einzige Mensch der Welt sein, der dieses Lied nicht mehr in Stadien hören will. Alles Dank Österreichs Gastgeberschaft zur EM2008!<br />
Dann geht es endlich los, und so angenervt ich von den Umständen bin, desto angetaner bin ich vom Spiel. Schnell, tempo- und abwechslungsreich. Das macht wirklich Spaß, das minütlich einsetzende Oh-oh-oh-oh-oh-ohhhhhhh-oh kotzt mich an! Preston ist der Sympathieverein, die halten wenigstens die Schnauze bevor sie sich auf das Niveau runterlassen, oder sie können einfach nix, was mir aber in diesem Moment egal ist!<br />
<a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0172.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-108" title="Homesdale Road Stand" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0172-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>In der  29. Minute trifft Jones mit Ankündigung für Preston. Mein Block ist ruhig, Prestons irgendwie nicht viel lauter. Naja, Prestons Spiel wird immer besser. Doch innerhalb von drei Minuten drehen Stokes und Danns das Spiel zugunsten der Eagles, drei Tore in fünf Minuten. Klasse. Ab jetzt spielt nur noch Crystal, Preston findet nicht mehr statt. Der Halbzeitpfiff erlöst Preston und mich auch, da mein Sitznachbar erstmal nen Burger holen muss und ich seit 45 Minuten Beinfreiheit habe!<br />
Ich bleibe auf meinem Platz sitzen und merke alsbald, dass das einer der schlimmsten Fehler meiner Jugend ist! Der Stadionsprecher kündigt Sarah Allan für die Halbzeitshow, ich assoziiere sofort „Allan the Eagle“ und rechne mit dem schlimmsten, und bin umso geschockter, dass es noch schlimmer kommt. Eine Hupfdohle, die irgendwo zwischen Jeanette Biedermann und den Chipmunks einzuordnen ist, einfach nur widerlich! Crystal versucht dennoch alles um das grenzenlos Schlechte zu toppen, die Cheerleader kommen zurück. So auch an meine Bande, da stehen sie, fünf englische Mädchen, vielleicht irgendetwas zwischen 15 und 18 Jahren alt und nun ja, typisch englisch halt, was bedeutet, dass sie alles andere als ansehnlich oder gar schlank wären. In ihren Crystal-Trainingsanzügen humpeln sie zu Sarah Allans Takten eine Choreografie hin, die so aussieht als wäre sie vor drei Minuten einstudiert. Das Altdöberaner Männerballett würde sich selbst nach fünf Flaschen Jägermeister geschmeidiger und optisch ansprechender bewegen. Die Jungs von der Eckfahne scheint das nicht zu interessieren, sie stehen sabbernd an der Bande und fragen nach Handynummern! Ich fühle mich wie im falschen Film. Sarah Allan verschwindet, aber erst jetzt kündigt der Stadionsprecher die Cheerleader an, oh nein! Das kann nicht sein Ernst sein. Aber es ist so, nun kommen die „richtigen“ Cheerleader, die Ü18-Fraktion, die im Mittelkreis steht und zu einem Beat von 1991 oder von Alex Christensen oder, schlimmer aber dennoch vermutlich, beidem gleichzeitig, eine monotone Kickboxchoreografie zeigt. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0179.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-111" title="dsci0179" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0179-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Die Cheerleader vor mir steigen mit ein. Der Bandenaufschrift vor mir entnehme ich, dass das Werfen von Gegenständen jeglicher Art aufs Spielfeld eine lebenslange Sperre zur Folge hat. Unter diesen Umständen geht der strafende Charakter gänzlich verloren. Ich bemerke, dass ich nichts dabei habe, was eine lebenslange Stadionsperre zur Folge hätte: Schade! Ich bemerke erstmals wie brutal lang doch 15 Minuten sein können. Ein neuer Beat, der gleiche dämliche Tanz. Das darf doch alles nicht wahr sein! In Frankfurt oder Rostock wäre spätestens jetzt der Platz gestürmt werden und insgeheim hoffe ich, dass Preston durchdreht und es ihnen gleich tun würde, aber die sind einfach zu langweilig. Die Halbzeitpause muss sich dem Ende neigen, mein fetter Sitznachbar kommt mit zwei Burgern zurück, für sich natürlich. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0182.jpg"><img class="size-medium wp-image-109 alignleft" title="Halbzeit-Show" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0182-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Die Cheerleader springen ein letztes Mal hoch, ihre alles andere als schlanken Bäuche kommen zum Vorschein, die Jungs von der Eckfahne pfeifen und feixen. Ich hingegen schwöre bei allem, was mir heilig ist, das Stadion der Freundschaft nie wieder zu betreten, sollte Energie jemals auf die Idee kommen, diesen Scheiß auch bei uns einzuführen. Es geht weiter, endlich! ENDLICH!!!<br />
Gefühlsmäßig und innerlich total abgestumpft, sehne ich mich nach allem was im Ansatz mit Fußball zu tun hat, fern ab von „Allan the Eagle“, Sarah Allan, ihren Cheerleadern oder welchem Scheiß auch immer. Zu meinem Gefallen spielt Crystal weit besser als seine Halbzeitunterhaltung, obwohl das wohl das einfachste überhaupt ist. Schnelle Bälle in die Spitze, schönes Umschalten. Besonders gefällt mir Crystals Claude Davis, ein Verteidiger, der ebenso auf der 6er-Position wie auch hinter den Spitzen zu finden ist. Er hängt sich voll rein, kämpft um jeden Ball und ist er noch so sinnlos, ein richtiges Kampfschwein. Für mich klar der Mann des Spiels, auch wenn das wohl keine Sportzeitung jemals so sehen wird, zählen doch immer nur Tore und Torvorlagen. Preston macht einfach nix, weder auf den Rängen, noch auf dem Platz. Die Eagles schaffen es dennoch nicht, trotz größter Chancen den Sack zuzumachen und werden dafür fast noch in der 89. Minute bestraft. Die einzige gefährliche Situation Prestons in der 2. Halbzeit landet prompt am oberen Gebälk, alle atmen durch! Schlusspfiff, aus vorbei, ein mehr als verdienter Sieg und ein durchaus schönes Spiel. Dennoch wünsche ich Crystal den sportlich Abstieg und/oder den finanziellen Ruin um ihr Engagement in die Cheerleader-Halbzeitshow gründlichst zu überdenken. Mir werden auf dem Weg aus dem Stadion noch die CPFC-Replika-Socken angeboten, nur £4! Dafür auch so hässlich, dass sie in rumänischen Altkleidersäcken verboten wären. Nichts wie raus hier.<br />
In nehme den fünfminütigen Fußweg auf mich und stehe am Gleis. Puh, geschafft, nur noch zwei Stunden zurück. Bauarbeiten sei Dank!</p>
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		<title>Part II &#8220;To Dare is to Do!&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Mar 2009 19:54:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schweini</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Tottenham 4-0 Middlesbrough

 Datum: 04.03.2009   Stadion: White Hart Lane   Zuschauer: 35761]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tottenham 4-0 Middlesbrough<br />
</strong><br />
Datum: 04.03.2009   Stadion: White Hart Lane   Zuschauer: 35761       <a href="null"><img class="alignright" title="Tottenham Hotspurs" src="http://www.psp-themes.net/data/media/9/Tottenham%20Hotspurs%20Theme.jpg" alt="" width="134" height="204" /></a></p>
<p>Mein zweites Spiel auf der Insel. Obwohl auf meiner Liste eine Menge interessante Vereine und Spiele stehen, freue ich mich unterbewusst am meisten auf die Spurs von Tottenham. Warum das so ist, weiß ich nicht, denn Tottenham ist nicht gerade für seine akurate Schönspielerei und sonstige Dinge bekannt, eher wird ihnen nachgesagt, dass sie wie’s Wetter und permanent gegen den Abstieg spielen, wenn sie nicht gerade geistesgewärtige Phasen haben wie in der abgelaufenden Saison. Ich ziehe eine Parallele zu meiner Energie aus Cottbus und bin fürs erste beruhigt, auch wenn ich wohl nie im Ansatz Spieler wie Luka Modric, Robbie Keane oder David Bentley für Cottbus spielen sehen werde. Da ich Angst habe keine Karte zu bekommen, ordere ich diese bereits in Deutschland und lasse sie mir mit der Post schicken – sie kommt natürlich nicht rechtzeitig. In England angekommen, mache ich das Ticketbüro von Tottenham drauf aufmerksam und bekomme umgehend eine Ersatzkarte erstellt, die am Spieltag für mich abholbereit am Stadion liegt. Superservice!<br />
Zum Stadion gelangt man in etwa 30 Minuten vom Zentrum bequem mit der Bahn in nördliche Richtung. Bereits aus der Bahn heraus kann man zwischen den typischen englischen Backsteinhaussiedlungen sehen, wie sich die White Hart Lane emporhebt. Von der Station White Hart Lane/Love Street sind es etwa 5 Minuten Fußweg zum Stadion. Die White Hart Lane (das Stadion ist nach der hier gemeinten Straße benannt) ist sehr belebt, eine Menge Geschäfte und Fressbuden befinden sich dort. Ich entdecke sogar einen Dönerladen, dessen Kebap für £2,15 zwar nicht überragend schmeckt, aber preislich okay ist. Danach ziehe ich zum Box Office um meine Karte abzuholen, zwei Stunden vor Anpfiff ist dieses immer noch nicht offen, mein Vordermann ist deutlich angenervt und droht permanent damit alles kurz und klein zu schlagen. Als ob er erhöht wurde, öffnen alsbald die Schalter und dann halte ich sie in den Händen: meine Karte für den Tottenham South Stand Lower, einmalig schon deshalb, da mein Name darauf verewigt ist.<br />
Da ich noch etwa anderthalb Stunden bis zum Spiel Zeit habe, entschließe ich mich einen der 5(!) ansässigen Spurs-Shops aufzusuchen, bei so einem Spiel kann man ja ruhig ein Programmheft (£3) als Erinnerung mitnehmen. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/whitehartlane.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-88" title="whitehartlane" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/whitehartlane-300x224.jpg" alt="" width="300" height="220" /></a>Alle Fanshops sind dank 10%-Rabattaktion für Mitglieder gerammelt voll. Und obwohl alles gekauft wird, was irgendwo ein Wappen der Lillywhites enthält, muss ich feststellen, dass es keine übertrieben „overdressten“ Fans oder gar Kutten gibt. Leider muss ich auch mit ansehen, dass auch in England ein bei uns aufkommendes Problem zum Tragen kommt: Fanartikel und Embleme in rosa um einen Anreiz für weibliche Zuschauer zu schaffen! Was für‘n Scheiß! An der Kasse kaufe ich das Programmheft und bekomme dazu sogar das Programmheft vom verlorenen Carling-Cup-Finale vom vergangenen Sonntag dazu.<br />
Mit diesen, vom Kassierer stilecht eingetütet, begebe ich mich zum Eingang Southstand. Bei einem kurzen Abstecher zu einem der vielen wilden Fanartikelstände fallen mir ein paar Babystrampler auf, auf denen zwei eindeutig als Hooligans zu identifizierende Personen ein  Arsenalwappen mit ihren Baseballschlägern zerlegen, untertitelt mit: „Daddy says: let’s kick the fucking scum out of London!“. Tottenham und Arsenal. Ein Hass, der seit je her tief verwurzelt ist und stark gelebt wird, weit größer als uns die in letzter Zeit inflationär erschienenen Filme über englische Hooligans mit ihren Feindschaften zwischen Millwall und West Ham oder Chelsea suggerieren  wollen.<br />
Kurz vorm South Stand sehe ich den Spurs-Pub und beschließe hineinzugehen um etwas Vorstimmung mitzunehmen. Meine  Karte wird kontrolliert (Auswärtsfans sind dort verboten) und schon stehe ich drin. Ein Pub, dessen Türsteherbereich so groß ist wie in die „Rote Karte“ alleine, dahinter enorm weitläufig. Dennoch brechend voll. Das Bier (zum Glück ein Carlsberg statt zimmertemperaturwarmes englisches Bier) auch hier fair bepreist (£3 für ein Pint). Ich komme mit zwei Spurs-Supportern ins Gespräch, die mir erzählen, dass die White Hart Lane bald ausgedient hat, da der Verein das Northumberland Park Project ausgerufen hat, ein Stadionneubau unweit der White Hart Lane mit größerem Fassungsvermögen und Stadionnamen, der an Sponsoren verkauft wird, ähnlich dem Emirates Stadium. Auch wenn die White Hart Lane von außen kein sonderlich schönes Stadion ist, finde ich es irgendwo unverantwortlich eine Spielstätte, die seit 1899 durchweg Residenz eines Vereins ist, so einfach aufzugeben. Aber diese Tendenzen sind ja schändlicherweise auch in Deutschland erkennbar.<br />
Ich verlasse das Pub und begebe mich ins Stadioninnere, wieder mit Kartenabreißer und Drehkreuz, diesmal aber mit Personenkontrolle, die sehr sporadisch ist. Meine Tüte (mit Programmheften, meinem Pullover und einer Flasche Coke) scheint dem Kontrolleur egal zu sein. Ich stehe unter dem South Stand, ein weitläufiger Bereich, mit übersichtlicher Aufteilung. Ich suche meinen Aufgang und stehe im Stadion. Es ist beeindruckend, eng und gedrungen, nur ein Band aus VIP-Logen stört das Bild etwas. Ein Ordner mit einer überschaubaren Anzahl Zähnen im Mund (ich schätze sechs oder sieben) zeigt mir meinen Platz. Genial, fünfte Reihe, zwischen Tor und Eckfahne. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/whitehartlane_innen.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-89" title="whitehartlane_innen" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/whitehartlane_innen-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Es ist unbeschreiblich so nah am Spielfeld ohne Zäune zu sitzen. 20 Minuten vor Spielbeginn bin ich fast allein im Stadion, auf der Videowand laufen die Highlights der 2:1 Hinspielschlappe. Dem Stadionheft entnehme ich, dass Tottenham-Boro immer Schweinespiele sind, außerdem fallen in der White Hart Lane die wenigsten Tore pro Spiel (die meisten, sieh an, in West Bromwich). Ich verfalle trotzdem nicht in Lethargie, schlimmer als das Charlton-Spiel gestern kann’s nicht werden. Das Stadion füllt sich kurz vor Spielbeginn bis zum letzten Platz, die eingespielten Saisonhighlights mit mitreißender Musik kündigen den Einmarsch der Spieler an, der Kessel kocht. Von Anfang an ertönt der sehr mitreißende Schlachtruf der Spurs „Yid Army“. Die „Yid Army“, neben West Hams ICF und den Millwall Bushwhackers, eine der großen Hooligenfirmen der Achtziger, scheint zumindest in dieser Form Bestand zu haben. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0095.avi">(Kurz vor Anstoß) </a>Anstoß, es ist laut, alle zwei Minuten wird das langgezogene „Yid Army“ angestimmt. Tottenham ist etwas behäbig, spielt aber durchaus passabel. Von den mitgereisten Boro-Fans, die erstaunlicherweise über dem Homesupporters-Block stehen, ist wenig zu hören. Beim Lied „The Spurs go marching on“ geht mir das Herz auf, eine Hammerstimmung. Diese wird dadurch ins schier unendliche getrieben, als Keane nach einer Modric-Ecke den Ball versenkt. Vor allem Keane wird hier gottgleich verehrt. Das gellende „Yid Army“ setzt von der Rängen ein, gefolgt von „Fuck off, Boro!“. Nach dem vermeintlichen 1:1 Ausgleich mache ich mir ein erstes, wenn auch nur akustisches Bild der mitgereisten Gäste. Es klingt ordentlich, das Tor wird dennoch aberkannt, was aus dem South Stand Lower  mit einem höhnischem „Who are you?“ quittiert wird. Der obere Gästerang rastet mehr oder weniger aus und liefert sich wüste Pöbeleien mit den angrenzenden Blocks der Heimfans. Das beeindruckende daran ist, dass dort die gleichen Absperrungen vorherrschen wie in unserem Block:  ein etwa hüfthohes, unter geöffnetes Geländer. Der einzige Unterschied ist, dass im Oberrang noch etwa 10 (!) Ordner beide Fanlager trennen. Nach dem sich die erhitzten Gemüter gelegt haben, trifft Pawljuschenko auch schon zum 2:0. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/whitehartlane_innen2.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-90" title="whitehartlane_innen2" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/whitehartlane_innen2-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Erneut ist das ganze Stadium aus dem Häuschen. Erst recht als Lennon mit dem 3:0 vor der Pause alles klar zu machen scheint. „No support, no support, no support, you fucking shit!“ skandiert der Block lautstark in Richtung der im Oberrang sitzenden Boro-Anhänger. Anschließend stimmt der der South Stand erneut „The Spurs are marching on“ an, eine Gänsehautatmosphäre. Ein bis dato nicht zu vergleichendes Stadionerlebnis. Ich konzentriere mich vielmehr auf die Stimmung im Block als aufs Spiel. Außerdem ist es mir nicht gelungen eine bessere Kamera aufzutreiben, was mich aufregt, da ich viele Momente nicht vernünftig festhalten kann. Vor unserem Block sind die Ordner stets damit bemüht die Fans dazu zu bewegen sich hinzusetzen, die Auf-und-Ab-Gesten des Supervisors werden aber hämisch und bewusst als Aufforderung zur „Yid-Army-Laola“ fehlgedeutet. Dass die Ordner dennoch keinen Spaß verstehen, zeigt sich in der Halbzeitpause als diese Polizisten zur Hilfe rufen um einen aus dem Block, der sich wohl  deren Aufforderungen widersetzt hat, abzuführen. Ich bin nicht der einzige der das lächerlich findet, mein Nebenmann erläutert mir dennoch, dass das durchaus Gang und Gebe ist. In der Halbzeitpause habe ich eine Begegnung der unangenehmen Art: zwei Dynamo-Kutten tauchen vor mir auf, ziellos, planlos und sächselnd bemerkend, dass sie zum zweiten Mal den falschen Aufgang benutzt haben. Ich spreche sie nicht an und bin umso verärgerter, dass die Bande selbst hier rumkraucht. Meinem Nebenmann, der sich über die seltsamen Schals wundert, erzähle ich etwas über unsere Rivalität, verglichen mit der zwischen den Spurs und den „Scums from Islington“ aber eher uninteressant für ihn. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0099.avi">(Video zum 1:0) </a>Die zweite Halbzeit beginnt und ist sofort typisch Tottenham, das stark zwischen Genie und Wahnsinn schlendert. Eher hilflos wirkend und nicht wirklich zwingend plätschert die Partie vor sich hin. Middlesbrough weiß, dass es verloren hat (<a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0111.avi">Middlesbrough bei der Ecke)</a>, Tottenham fängt an sein zweites Gesicht zu zeigen und spielt so destruktiv wie möglich. Die Demokratie im Block ist beeindruckend. Jeder der was zu sagen hat, steht auf uns schleudert es Richtung Spielfeld. Zu der Phase des Spieles sind das durchaus kritische Einwürfe. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/whitehartlane_innen4.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-91" title="whitehartlane_innen4" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/whitehartlane_innen4-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Als Lennon dem Spuk mit dem 4:0 in der 80.Minute endlich ein Ende setzt, gibt es kein Halten mehr.  Boro-Fans verlassen in Scharen das Stadion, was mich fasziniert, da mir meist als Auswärtsfan verwehrt wurde, das Stadion vor Abpfiff zu verlassen. „That’s why you’re goin‘ down!“ und „Yid-Army“-Gesänge wechseln sich ab, ein finales „The Spurs are marching on“ setzt den stimmungsgeladenen finalen Schlusspunkt. Dann ist es auch schon vorbei, ein an sich gutes Spiel in beeindruckender Atmosphäre, die man einfach mal miterlebt haben sollte. Berittene Polizisten säumen meinen Weg zur Bahn. Auch hier beschränkt sich Polizeiarbeit darauf, eine vernünftige Schlange zu den Bahnhofsaufgängen zu organisieren.<br />
Und wie die Bahn sich zurück Richtung Zentrum schiebt und ich noch einen Blick auf das erleuchtete Stadion erhaschen kann, frage ich mich, ob eine neue modernere und vor allem kommerziell weitaus höher ausgeschlachtete Arena im Northumberland Park diese Aura transportieren kann, die die White Hart Lane zweifelsohne hat. Ich denke nicht und wünsche den Spurs-Anhängern das Beste für die letzten Spiele in diesem Stück Mythos.</p>
<p><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0111.avi"></a></p>
<p><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0111.avi"></a></p>
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		<title>Schweini does London Part I</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Mar 2009 00:30:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schweini</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Hopping]]></category>

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		<description><![CDATA[Charlton Athletic 1–2 Doncaster Rovers 

 Datum: 03.03.2009   Stadion: The Valley   Zuschauer: 20815]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So, Sportsfreunde. Hier meine ersten Erlebnisberichte von der Insel.</p>
<p><strong>Charlton Athletic 1–2 Doncaster Rovers </strong><a href="null"><img class="alignright" title="Charlton Athletic" src="http://www.iranfootballonline.com/UserFiles/Image/All_Kind_Of_Logos/Charlton_Athletics_320logo.gif" alt="" width="111" height="88" /></a><strong><br />
</strong><br />
Datum: 03.03.2009   Stadion: The Valley   Zuschauer: 20815</p>
<p>Es ist mein dritter Tag auf der Insel und der erste für mein vorher sauber vorbereitetes Fußballprogramm in London. Obwohl ich eigentlich aus Gründen der Faulheit zuerst der Partie des Drittligisten Leyton Orient, dessen Stadion circa 10 Minuten Fußweg von mir entfernt liegt, beiwohnen wollte, entschied ich mich dennoch bewusst dagegen, da ich von Leyton Orient zuvor genau so viel gehört habe wie über die Regeln des hier sehr beliebten Cricket. Zum Ausweichen standen die Partien von den Queens Park Rangers und Charlton Athletic an. Was auch immer mich dazu bewogen hat, ich entschied mich für Charlton und begann eine vom Stadtzentrum 50-minütige Reise quer durch London. An der Station Charlton angekommen, folgte ich dem Tross der Anhänger durch verwinkelte Straßen bis zum Stadion „The Valley“, das von dutzenden Wohnhäusern eingerahmt wie ein Fremdkörper aus deren Mitte ragt. So habe ich mir Fußball in England immer vorgestellt. Schade, dass man hierzulande auf dieses Ambiente zugunsten von Mehrzweckarenen am Stadtrand verzichtet, denn dieses Stadionflair allein von außen kann die katastrophale Parkplatzsituation vor Ort und sonstige damit einhergehende Probleme wohl locker aufwiegen.<br />
Als erstes mache ich mich also auf den Weg zum Ticketschalter, noch 45 Minuten bis zum Anstoß. Obwohl es bekanntlich recht schwer ist in London Karten für Fußballspiele zu bekommen, pokere ich etwas. Wer will schon auf einem Dienstagabend den Letzten der zweiten englischen Liga sehen? Wie ich dem Gewusel vor dem Stadion entnehmen kann, erstaunlich viele. Nichtsdestotrotz stehe ich an der Tageskasse und bin auch relativ schnell dran. Ich erkläre der eher minder attraktiven Frau am Schalter, dass ich gerne das Spiel sehen würde, am liebsten in der Kurve der Homesupporters, optinal auch auf der Haupttribüne, dem Weststand. Sofort erkennt sie an, dass ich nicht aus der Nähe bin (der Südostlondoner Dialekt ist zweifelsohne unverkennbar und damit auch alle, die ihn nicht beherrschen). Als ich auf ihre Nachfrage antworte, dass ich aus Deutschland komme um mir in London ein paar Spiele anzuschauen, ist sie auf einmal ganz aufgeregt und bietet mir an, da ich ja so eine weite Reise hinter mir habe und ausgerechnet Charlton als erste Partie ausgesucht habe, in der Nähe der Mittellinie auf der Haupttribüne für £10 zu sitzen. Als ich bemerke, dass die Preise dort bei circa £20 beginnen, willige ich sofort ein. Dieser Preis ist für englische Verhältnisse nahezu unschlagbar, was ich aus Erfahrungen mit dem Erwerb von Karten für Spiele von Tottenham und Arsenal durchaus sagen kann.</p>
<p style="text-align: center;">
<p>Nun ging’s schnellstmöglich Richtung Eingang und da wartete schon die nächste Überraschung: an großen Drehkreuzen muss ich an einem Kartenschalter meine Karte abreißen lassen und danach bin ich auch schon ohne Personendurchsuchung im Stadion, eigentlich aber unter dem Weststand. Gegenüber den Aufgängen zu den Sitzplätzen sind im Inneren eine Vielzahl einfach aneinander gesetzte Bars zu finden, die gesamte Länge des Weststand ist im Inneren also eine einzige Theke, was die Wartezeiten natürlich deutlich angenehm gestaltet. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0036.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-128" title="West Stand Eingang" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0036-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Die Bierpreise (£3 für ein Pint) sind durchaus human, auch wenn das eher dem Wechselkurs geschuldet ist. Das lässt englisches Bier trotzdem irgendwie nicht besser schmecken. Nachdem ich es mir dann mehr oder weniger in der Vorhalle zur Tribüne herunter gequält habe (auf den Rängen dürfen keine alkoholischen Getränke getrunken werden, Rauchen geht sowieso nirgendswo) geht es den Aufgang hinauf zu meinem Platz. Auch hier ein weiterer Pluspunkt, keine nervigen Ordner, die zigmal die Eintrittskarte sehen wollen um sicherzugehen, dass auch jeder den richtigen Eingang benutzt hat. Das Stadion an sich ist sehr zweckmäßig. Eine kleine Tribüne für Auswärts- und neutrale Fans (Jimmy Seed Stand), eine geschlossene Kurve gegenüber für die Homesupporters (Northstand), die Haupttribüne (Weststand) und eine Gegengerade. Es wirkt etwas enger und gedrungener, hat aber durchaus etwas für sich. Aus Doncaster (immerhin knapp 300km entfernt) haben sich circa 300 bis 400 Gäste eingefunden. Nicht schlecht für ein Dienstagabendspiel zwischen dem 24. und 15. der englischen zweiten Liga. Noch erstaunlicher allerdings der Fakt, dass den schätzungsweise 350 teils stark alkoholisierten und damit gut motivierten Jungs aus Doncaster am Anfang 12(!) Ordner zugeteilt sind, die mit im Block stehen. Deutsche Stadionverhältnisse erscheinen mir auf einmal paradox.</p>
<p><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0044.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-129" title="The Valley" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0044-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci00401.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-130" title="West Stand" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci00401-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Nach einer mit pathetischer Musik unterlegten Videosequenz mit Szenen aus den 1940ern bis heute, die dank clever postierter Videowand nur West- und Northstand sehen können, laufen auch schon die Mannschaften ein und es geht los. Vorher wird angekündigt, dass Danny Butterfield, ein Jugendspieler, zum ersten Mal im Kader steht. Das sorgt für gute Stimmung. Auch die Durchsage des Namens des Spielmachers Jonjo Shelvey sorgt für einen deutlich höheren Lärmpegel. Nach dem Gruppenfoto mit den bescheuert aussehenden Maskottchen geht es auch schon los. Bereits nach drei Minuten wird mir klar, warum Charlton am Tabellenende hängt und wahrscheinlich trotz bis 2007 anhaltender Premier-League-Angehörigkeit dieses Jahr den Gang in die Drittklassigkeit antreten wird. Vom Fußballspiel Charltons zu reden wäre deutlich übertrieben. Hektische Aktionen im Mittelfeld wechseln mit katastrophalen Schnitzern in der Abwehr, die nur dank des gutaufgelegten und dem wie es scheint einzig gelernten Verteidiger des Teams Mark Hundson ungestraft bleiben. Bereits nach fünf Minuten stelle ich mir die Frage, wer wohl gefährlicher sei: Charltons Stürmer oder die Eckfahne, nach 20 Minuten und 8 kläglich vergebenen Chancen Charltons gewinnt die Eckfahne, nicht unverdient. Auch Doncaster scheint nicht wirklich Lust zu haben mitzuspielen, doch zumindest sieht das, was sie spielen, besser aus. Von dem hochgelobten englischen Tempofußball scheinen beide Mannschaften nie etwas gehört zu haben. Starker Regen setzt ein, der Wind dreht, die Stimmung auf dem Weststand kippt deutlich, ist es doch Charltons quasi letzte Chance auf den Klassenerhalt. Durch Zufall (Absicht möchte ich nicht unterstellen) verirrt sich in der 30. Minute ein Kopfball Charltons an die Latte. Nun setzt auch endlich der Northstand mit Gesang ein, erstes Gänsehautgefühl durchfährt. Stadionatmosphäre in Reinkultur. Die Stimmung steigt. Doncaster wirbelt die gegnerische Abwehr energischer auf, die eigenen Fans auf dem Jimmy Seed Stand singen schon seit Anpfiff unbeirrt und können stimmungstechnisch die Punkte für sich verbuchen. In der 35. wird ein Doncaster-Spieler rüde von der Seite im Lauf weggegrätscht. Was in Deutschland Dunkelrot zur Folge hätte, wird hier mit einer Ermahnung und einem Shakehands geregelt, ohne Gelaber, ohne Schauspielerei. Ich bin beeindruckt und wie ich überlege wie es Spielern wie Diego wohl unter solchen Umständen möglich wäre Fußball zu spielen, gibt es die erste gelbe Karte des Spiels. Bezeichnenderweise für Ballwegschlagens. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit eine weitere für eine klare Tätlichkeit. Ansonsten bietet das Spiel ähnlich viel wie der nicht aufhörende Dauerregen. Zu allem Überfluss stelle ich fest, dass meine Kamera absolut unbrauchbar ist für meine Mission. Ich muss unbedingt eine bessere auftreiben bis richtige Spiele auf mich warten. Einwürfe von meinen Sitznachbarn wie „Pass the ball, you fuckin‘ scumbag!“ halten meine Stimmung erstaunlicherweise durchaus passabel. Dann der Halbzeitpfiff. Mein Hintermann legt seine Hand auf meine Schultern und quittiert diese Halbzeit nur mit einem einfachen „Rubbish!“. Recht hat er.</p>
<p>Nach einem Halbzeitkaffee (Bier ist wie bereits erwähnt bestenfalls dafür geeignet diese Halbzeit schnellstmöglich zu vergessen) stelle ich höhere Erwartungen und werde zumindest von Charlton dahingegen bestätigt, dass es falsch war welche zu haben. Sinnloses Rumgebolze wechselt mit einfallslosen Steilpässen für unmögliche Laufwege. Lustig hingegen sind die Laufduelle in denen sich beide Charlton-Stürmer mehrmals bei einer Distanz von etwa 5m bis zur Grundlinie den Ball 7m vorlegen. <a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0065.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-131" title="North Stand" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0065-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Ich hoffe, dass Doncaster diesem Elend ein Ende setzt und tatsächlich: der erste schön gespielte Angriff, Charltons Abwehr wieder einmal deplatziert, 0:1. Der Auswärtsmob hat seine pure Freude dran. Auf dem Northstand Totenstille und auch meine Sitznachbarn bedienen sich allen Formen englischer Flüche. Der absolute Tiefpunkt ist erreicht als Charltons Verteidiger Kelly Younga in der 70. Minute einen einfachen Ball an der Mittellinie sinnlos auf unser Stadiondach ballert. Die ersten gehen. Als die Fans von Doncaster ihre Party schon auf dem Siederpunkt getrieben zu haben scheinen, passiert das Unfassbare: durch einen Schuss aus der zweiten Reihe nach einer Ecke gleicht Charlton aus. Die Stimmung kippt und ist auf einmal richtig, richtig gut, wenn man bedenkt, dass englischer Support nicht gelenkt ist und Charltons Northstand stimmungstechnisch bis jetzt nichts weltbewegendes gezeigt hat. Torschütze Nicky Bailey wird mit Gesang „There’s only one Nicky Bailey“ bedacht, dessen Melodie der 2002 aufkommenden Hymne „Ein Rudi Völler“ entspricht. Furchtbar. Ich bin zufrieden als Doncaster mit lautem „Go ahead“-Rufen dem ein Ende bereitet. Charltons Freude währt nicht lange. Nur drei Minuten später fällt Younga im eigenen Strafraum einen gegnerischen Spieler in Dorftrottelmanier, das war’s nun endgültig mit der Stimmung. Der Elfmeter sitzt, der Jimmy Seed Stand rastet aus. Währenddessen machen sich viele von meiner Tribüne mit erhobenem Mittelfinger (der sicher eher der eigenen Mannschaft als Doncaster galt) auf dem Weg nach Hause. Charlton gibt noch mal alles, d.h. sinnlose lange Bälle während der letzten 10 Minuten, die sogar eine echte Torchance zur Folge haben. Der bereits geschlagene Torwart musste sich dennoch keine große Mühe geben, da es Charltons eingewechselter Stürmer Sam schaffte einen eigenen Spieler auf der Torlinie anzuschießen. Damit ist diese Partie auch endlich vorbei. Das Stadion erlebte nun den Höhepunkt seines Lautstärkepegels, mit langem „Booooooooo“ auf der einen und grenzenloser Freunde auf der anderen Seite. Auf dem Weg zurück zur Bahn mitten durch die Reihenhaussiedlung Charlton, treffe ich die ersten beiden Polizisten. Sie stehen am Gleis und erzählen jedem, dass der Zug nach London Bridge auf dem anderen Gleis abfährt. Und das ohne gleich rotzig zu werden wie bei uns durchaus üblich. Ich bin begeistert, steige ein um anderthalb Stunden „nach Hause“ zu fahren und hoffe, dass meine nächste Partie (Tottenham-M’brough) fußball- wie auch stimmungstechnisch mehr zu bieten hat als an diesem kalten und nassen Dienstagabend.</p>
<p><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/03/dsci0072.avi">Entscheidender Elfmeter</a></p>
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		<title>Heiß auf die Rückrunde!</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jan 2009 22:02:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schweini</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[So Jungs. Nach dem nicht allzu glorreichen Auftritt unserer Energie gegen die Tablettenmannschaft wird es nun endlich wieder Zeit für die Rückrunde. Die gefühlte Unendlichkeit der Winterpause ist nun vorbei. Hoffen wir das Beste für die Rückrunde, auf eine ähnlich erfolgreiche Aufholjagd wie letztes Jahr.
Unsere erste Station am Samstag ist das Millionärsdorf Hoppenheim. Jegliche Ausführung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So Jungs. Nach dem nicht allzu glorreichen Auftritt unserer Energie gegen die Tablettenmannschaft wird es nun endlich wieder Zeit für die Rückrunde. Die gefühlte Unendlichkeit der Winterpause ist nun vorbei. Hoffen wir das Beste für die Rückrunde, auf eine ähnlich erfolgreiche Aufholjagd wie letztes Jahr.</p>
<p>Unsere erste Station am Samstag ist das Millionärsdorf Hoppenheim. Jegliche Ausführung zur Daseinsberechtigung der TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH sollen jetzt hier verkniffen bleiben.</p>
<p>Treff und Abfahrt um 6:30 Uhr in der Marktstraße. Wegproviant nicht vergessen!</p>
<p>Und Vorsicht! Was uns da erwarten wird, habe ich euch im unteren Bild schon mal vorbereitet!</p>
<p><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/01/hoffenheim_ultras.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-64" title="Hoppenheimer Szene - härtere Fraktion" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/01/hoffenheim_ultras-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a></p>
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		<title>Energie im Finale / Kreuzbandriss bei Ibisevic?</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jan 2009 21:35:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schweini</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Cottbus nach 10:1-Sieg auf Zypern im Finale
Durch ein Schützenfest ist unsere Energie in das Finale des Bundesliga-Vorbereitungsturniers auf Zypern eingezogen. Der Tabellen-16. gewann mit 10:1 (5:0) gegen Liga-Spitzenreiter Omonia Nikosia.
Nach dem 2:2 gegen Alemannia Aachen erreichte Cottbus wegen der um einen Treffer besseren Tordifferenz vor Aachen das Finale gegen Zweitligist 1. FC Kaiserslautern. Ivica Iliev [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Cottbus nach 10:1-Sieg auf Zypern im Finale</span></strong></p>
<p>Durch ein Schützenfest ist unsere Energie in das Finale des Bundesliga-Vorbereitungsturniers auf Zypern eingezogen. Der Tabellen-16. gewann mit 10:1 (5:0) gegen Liga-Spitzenreiter Omonia Nikosia.</p>
<p>Nach dem 2:2 gegen Alemannia Aachen erreichte Cottbus wegen der um einen Treffer besseren Tordifferenz vor Aachen das Finale gegen Zweitligist 1. FC Kaiserslautern. Ivica Iliev (15./17. Minute) eröffnete mit einem Doppelschlag den Torreigen. Außerdem trafen Emil Jula (28.), Ervin Skela (31.) per Freistoß und Dimitar Rangelow (40.), Dennis Sörensen (49.), der tschechische Neuzugang Jan Rajnoch (56.), erneut Rangelow (61.) und ein Eigentor (70.) brachten schon den Endspiel-Einzug. Branko Jelic (89.) sorgte sogar für ein zweistelliges Resultat. Die bestenfalls viertklassigen Lokalmatadoren schafften per Foulelfmeter das Ehrentor zum 1:5 (48.).</p>
<div id="attachment_59" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/01/hoffenheim-landet-historischen-sieg-in-cottbus_424c7e5ba1.jpg"><img class="size-medium wp-image-59" title="Am 31.01.08 startet unsere Energie gegen die TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH in den Ligabetrieb" src="http://www.football-patriots.de/wp-content/uploads/2009/01/hoffenheim-landet-historischen-sieg-in-cottbus_424c7e5ba1-300x251.jpg" alt="Am 31.01.08 startet unsere Energie gegen die TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH in den Ligabetrieb" width="300" height="251" /></a><p class="wp-caption-text">Am 31.01.08 startet unsere Energie gegen die TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH in den Ligabetrieb</p></div>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Kreuzbandriss bei Ibisevic?</span></strong></p>
<p>1899 Hoppenheim muss womöglich wochenlang auf 18-Tore-Mann Vedad Ibisevic verzichten.</p>
<p>Der Bosnier musste beim Testspiel gegen den Hamburger SV (0:2) mit einer Knieverletzung vom Platz und wurde umgehend in ein Krankenhaus eingeliefert.</p>
<p>Der Verdacht: Teilanriss des vorderen rechten Kreuzbandes. Ibisevic wird sich am Donnerstag in Heidelberg einer erneuten Kernspintomographie unterziehen.<br />
Wäre zu mindestens nicht die schlechteste Nachricht für uns.</p>
<p>Quellen: FTD.de, sport1.de</p>
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